Madrid (dpa) - Der Kampf um die Rettung der angeschlagenen spanischen Großbank Bankia ist in eine entscheidende Phase getreten. Das teilverstaatlichte Geldinstitut will die Madrider Regierung um Hilfen in Milliardenhöhe bitten.

Dabei sei von einer Summe von über 15 Milliarden Euro die Rede, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur EFE am Freitag unter Berufung auf Finanzkreise. Dieser Betrag übertrifft bei weitem die schlimmsten Befürchtungen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Die Notierung der Aktien der viertgrößten spanischen Bank wurde am Freitag einstweilen ausgesetzt. Die Madrider Börsenaufsicht CNMV folgte damit einem Gesuch des Geldinstituts. Der Bankia-Verwaltungsrat wollte am Freitagnachmittag einen Sanierungsplan zur Rettung des Unternehmens verabschieden, das sich zu 45 Prozent im Besitz des Staates befindet.

Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte noch am Mittwoch die benötigte Staatshilfe von Bankia auf neun Milliarden Euro beziffert. In den Bilanzen des Geldhauses taten sich nach übereinstimmenden Angaben der spanischen Medien jedoch weitere Finanzlücken auf, die Hilfen in Höhe von insgesamt über 15 Milliarden Euro erforderlich machten. Damit müsste der spanische Staat für die Rettung von Bankia insgesamt fast 20 Milliarden Euro aufbringen, nachdem die Bank 2010 bereits 4,5 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds FROB erhalten hatte.

Bankia gilt als der größte Problemfall in der spanischen Finanzkrise. Die Bank, die aus der Fusion von Caja Madrid mit mehreren Sparkassenketten hervorgegangen war, hat besonders viele «faule» Immobilienkredite in ihren Bilanzen. Die Regierung will einen Zusammenbruch von Bankia in jedem Fall verhindern. Eine Pleite hätte aufgrund der Größe des Geldinstituts verheerende Folgen für das spanische Finanzsystem.

De Guindos hatte zugesichert, Spanien werde Bankia alle Mittel zur Verfügung stellen, die für eine Sanierung erforderlich seien. Allerdings ließ der Minister offen, wie das verschuldete Spanien angesichts der zusätzlichen Milliardenkosten seine - mit der EU vereinbarten - Defizitziele erreichen will.

Die Madrider Regierung erwägt derweil, Bankia möglicherweise mit zwei anderen verstaatlichten Geldinstituten, Catalunya Banc und Novagalicia Banco, zusammenzulegen. Auf diese Weise entstünde ein riesiges Geldhaus, das vom Staat kontrolliert würde und nach der Zahl der Kunden die Nummer eins auf dem spanischen Markt wäre, noch vor Banco Santander, BBVA und CaixaBank.

Der Wirtschaftsminister hatte eine solche Möglichkeit kürzlich selbst angedeutet. «Es mag als ein Widerspruch erscheinen, dass ich als ein Liberaler von einem staatlichen Geldinstitut spreche, das fast 20 Prozent des spanischen Bankgeschäfts ausmachen würde», sagte De Guindos im Parlament.

Der Hintergrund solcher Erwägungen sind die Schwierigkeiten, auf die die Regierung mit ihrem Vorhaben zu einer Versteigerung der verstaatlichten Banken gestoßen ist. Aufgrund der Turbulenzen auf den Finanzmärkten ließen sich die Geldhäuser nur mit großen Verlusten verkaufen. «Eine Privatisierung wird erst dann vollzogen, wenn der Zeitpunkt günstig ist», kündigte der Wirtschaftsminister an. Die Madrider Regierung scheint es daher nun vorzuziehen, mit den geplanten Versteigerungen abzuwarten, bis sich die Lage auf den Geldmärkten gebessert hat.