Frankfurt/Main (dpa) - Hertha-Trainer Otto Rehhagel hat sich bei der Verhandlung des DFB-Bundesgerichts in drastischen Worten zu den Umständen beim Düsseldorfer Relegationsspiel geäußert.

«Für mich war das alles irregulär», sagte der 73-Jährige, der in Frankfurt am Main als einer von insgesamt 16 Zeugen geladen war. «Das war ein Ausnahmezustand, wie ich ihn in 40 Jahren als Bundesligatrainer nicht erlebt habe», meinte er zum Fan-Auflauf in der Schlussphase der Partie. «Unsere Spieler waren paralysiert», beschrieb Rehhagel den Zustand in der Hertha-Kabine. «Ich konnte meiner Tätigkeit als Fußballlehrer nicht mehr nachkommen.»

Seine Erfahrung als Trainer sage ihm: «Wenn die Meute losrennt, gibt es kein Halten mehr.» Nach 44 Minuten verließ der eloquente und auch als Zeuge zu Scherzen und Anekdoten aufgelegte Trainer-Dino um 16.18 Uhr wieder den Sitzungssaal.

Bis zum späten Nachmittag hörte der Vorsitzende Richter Goetz Eilers noch Referee Wolfgang Stark, den Sicherheitsbeauftragten Ralf Ziewer, den Projektleiter Relegationsspiele beim DFB, Götz Bender, und den vierten Offiziellen, Markus Wingenbach aus Altendiez.

Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt stellte neues Bild-Material vor: Die insgesamt 16 Fotos sollten die bedrohliche Ausnahmesituation rund um das Spiel belegen. Düsseldorfs Horst Kletke stellte dem seinerseits Aufnahmen entgegen, die zeigen sollten, das in der Schlussphase keine Gefahr für Leib und Leben bestand.

Um 12.52 Uhr hatte Eilers als ersten Zeugen von DFB-Seite Stark geladen. Der Schiedsrichter aus Ergolding erläuterte wie auch schon bei der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht am vorigen Freitag die Vorkommnisse rund um das chaotisch zu Ende gegangene Rückspiel um den Bundesligaaufstieg. Nach rund einer Stunde wurde er wieder entlassen.

Richter Eilers wollte vor allem erfahren, wie gefährlich sich die Schlussphase der Düsseldorfer Chaospartie dargestellt hatte. «Ich hatte keine Angst, dass die Fans, was von mir oder den Spielern wollten», meinte Stark. Auch Bender meinte zu der hitzigen Schlussphase: «Angst habe ich nicht verspürt.»

Angesichts des vorgelegten Bild-Materials und der Menge der Zeugen rechnen Prozessbeobachter mit einer langen Sitzung in der Zentrale des DFB.

Bei der Partie am 15. Mai war es in der Nachspielzeit zu tumultartigen Szenen gekommen, als Anhänger des Zweitliga-Dritten aus Düsseldorf schon vor Abpfiff auf das Spielfeld stürmten. Das DFB-Sportgericht hatte in erster Instanz den Einspruch von Hertha gegen die Wertung der Partie abgewiesen.

Bestätigt auch das Bundesgericht das 2:2, ist Hertha nach nur einem Jahr Bundesliga wieder abgestiegen. Die Berliner können aber als nächste Instanz noch das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen anrufen.