Kabul/Paris (dpa) - Frankreichs neuer Präsident François Hollande ist zu einem Blitzbesuch in Afghanistan eingetroffen. Der Nachfolger von Nicolas Sarkozy wollte dabei unter anderem seine umstrittenen Pläne für den vorzeitigen Abzug der französischen Kampftruppen erläutern.

Hollande hatte sie am Sonntag beim Nato-Gipfel in Chicago durchgesetzt. Sie waren eines seiner Wahlkampfversprechen. Hollande landete am Morgen in der Hauptstadt Kabul, flog dann aber zunächst zum französischen Militärstützpunkt Nidschrab in der Provinz Kapisa. Der am 6. Mai gewählte Präsident führte dort Gespräche mit Militärs und erinnerte an die 83 französischen Soldaten, die seit Beginn des Militärseinsatzes am Hindukusch ums Leben kamen.

Anschließend traf er den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Geplant sind auch Gespräche mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen. Die Reise war aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten worden. Der Sozialist ließ sich bei seinem ersten Afghanistanbesuch als Präsident von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Außenminister Laurent Fabius begleiten.

Hollandes Pläne sehen vor, die französischen Kampftruppen schon bis Ende 2012 aus Afghanistan abziehen und nur noch Ausbilder am Hindukusch zu lassen. Die Nato hatte sich eigentlich darauf geeinigt, den Kampfeinsatz erst 2014 zu beenden. Dann sollen die afghanische Armee und Polizei im ganzen Land die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.

Hollande wünsche sich trotz der Truppenabzugspläne eine langfristige Zusammenarbeit, teilte der Élyséepalast mit. Grundlage solle der Freundschafts- und Kooperationsvertrag sein, der Anfang des Jahres von Sarkozy unterzeichnet worden war. Das französische Engagement in Afghanistan trete nun in eine neue Phase ein, sagte Hollande nach Angaben des Élyséepalastes in der Provinz Kapisa.

Die Taliban hatten Hollandes Pläne am vergangene Sonntag gelobt. Die Aufständischen fordern von allen Truppenstellernationen einen sofortigen Abzug ihrer Soldaten. Im April waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums noch rund 3400 französische Militärs im Afghanistan-Einsatz.

Die Gewalt in Afghanistan dauerte unterdessen an. Am Freitag wurden nach offiziellen Angaben bei drei Anschlägen im Süden des Landes mindestens vier Menschen getötet und sieben weitere verletzt.