Kairo (dpa) - Der Kampf um die Nachfolge des im Vorjahr entmachteten ägyptischen Langzeitpräsidenten Husni Mubarak bleibt offen. Allerdings dürfte der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, die erste Runde der historischen Präsidentenwahl in Ägypten für sich entschieden haben.

Nach Auszählung von 42 Prozent der abgegebenen Stimmen liege Mursi bei 24 Prozent, berichtete die Webseite der staatlichen Zeitung «Al-Ahram» am Freitagmittag. Auch die unabhängige «Al-Masry Al-Youm» sah den Islamisten mit 28 Prozent an erster Stelle unter den zwölf Kandidaten, die bei dem Urnengang am Mittwoch und Donnerstag zur Wahl gestanden hatten.

Da Mursi in jedem Fall weniger als 50 Prozent der Stimmen bekommen haben dürfte, entscheidet eine Stichwahl am 16. und 17. Juni über die Nachfolge für den im Februar 2011 gestürzten Mubarak. Wer mit Mursi ins Rennen gehen wird, war zunächst nicht so klar.

Die meisten Auswertungen sahen am Freitag den ehemaligen Ministerpräsidenten und Ex-Militär Ahmed Schafik knapp an zweiter Stelle vor dem linken Aktivisten Hamdien Sabbahi. Bei «Al-Ahram» lag dieser allerdings mit 23,3 Prozent und einem hauchdünnen Vorsprung von 25 000 Stimmen vor Schafik (23 Prozent). «Al-Masry Al-Youm» sah wiederum Schafik mit 21 Prozent und einem Prozentpunkt vor Sabbahi.

Beide Auswertungen gaben dem unabhängigen Ex-Muslimbruder Abdel Moneim Abul Futuh zwischen 18 und 19 Prozent. Seine Chancen, die zweite Runde zu erreichen, sind damit gering. Völlig abgeschlagen war der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa. Neben Schafik der zweite Polit-Profi mit einer Vergangenheit im Mubarak- System, blieb er, wie auch Abul Futuh, unter den Erwartungen der Meinungsforscher.

Der Urnengang galt als historisch. 52 Millionen Ägypter konnten erstmals in einer freien und von einem echten Wettbewerb geprägten Wahl über den ersten Mann im Staat bestimmen. Die Wahlbeteiligung lag nach inoffiziellen Angaben bei rund 50 Prozent.

Die Muslimbrüder, die seit den Parlamentswahlen zur Jahreswende bereits die größte Fraktion in der Volksvertretung stellen, feierten ihren Kandidaten Mursi schon in der Nacht zum Freitag als Sieger. Er werde mit Schafik in die Stichwahl gehen, erklärte Mursi am Freitagvormittag auf einer Pressekonferenz in Kairo.

Die Wahl am Mittwoch und Donnerstag verlief weitgehend friedlich. Bei tätlichen Auseinandersetzungen vor Wahllokalen wurden nach offiziellen Angaben 61 Menschen verletzt. Zwei Personen starben an Herzinfarkten bei der Stimmabgabe. Ägyptische Wahlbeobachter berichteten aber auch von Stimmenkauf und Wählermanipulation in zahlreichen Wahllokalen. Beschwerden über Unregelmäßigkeiten gab es jedoch bislang nicht.

«Al-Ahram»-Live-Ticker

«Al-Masry-Al-Youm»-Live-Ticker