Peking (dpa) - China und Russland lehnen eine bewaffnete Intervention oder einen erzwungenen Regimewechsel in Syrien ab. Zum Auftakt eines Staatsbesuches in Peking sprachen sich der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao für eine politische Lösung aus.

Die internationale Gemeinschaft solle die Vermittlungsbemühungen des UN-Sondergesandten Kofi Annan und die UN-Beobachter in Syrien unterstützen, zitierte sie das chinesische Staatsfernsehen.

«Beide Seiten lehnen eine militärische Intervention von außen und einen gewaltsamen Regimewechsel ab», sagte der Sprecher des Pekinger Außenministeriums Liu Weimin vor der Presse. Die Krise könne nur durch Konsultationen der Parteien angemessen gelöst werden.

China und Russland forderten ein möglichst schnelles Ende der Gewalt. Von Distanz oder einem härteren Ton Chinas gegen das Regime von Baschar al-Assad, den der chinesische UN-Botschafter Li Baodong am Vortag in New York angeschlagen hatte, war bei den Gesprächen des chinesischen Präsidenten mit Putin nichts zu spüren.

Der Konflikt in Syrien stand im Mittelpunkt des Staatsbesuches, bei dem beide Seiten einen Ausbau ihrer «strategischen Partnerschaft» vereinbarten. Russlands Präsident lobte die Beziehungen zu China, die ein «bisher nicht dagewesenes Niveau» erreicht hätten. Neben einer gemeinsamen Erklärung wurden mehr als ein Dutzend Abkommen über Kooperation in den Bereichen Kernenergie, Industrie, Banken, Eisenbahn, Tourismus, Exportversicherungen und Stromversorgung unterzeichnet.

Putin nannte seine Gespräche mit Hu Jintao über das umstrittene Atomprogramm des Irans «sehr nützlich», wie Itar-Tass berichtete. In Peking nimmt Putin am Mittwoch und Donnerstag am Gipfel der Shanghai Kooperationsorganisation (SCO) teil. Dazu gehören China, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan. Als Beobachter reist Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad an. Der Gipfel bietet somit eine Gelegenheit für Putin, vor den nächsten Verhandlungen über das iranische Atomprogramm am 18. Juni in Moskau die Haltung Ahmadinedschads zu erkunden.

Der Besuch in China ist die erste längere Auslandsreise des russischen Präsidenten nach seinem erneuten Amtsantritt. Eine Teilnahme am Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) im Mai in Washington hatte Putin abgesagt; er führte aber vor der Reise nach China noch Gespräche in Berlin und Paris sowie mit der EU-Spitze in St. Petersburg. Die Visite in Peking ist sein erster Staatsbesuch in China überhaupt in seiner zwölfjährigen politischen Karriere, wie der Kreml mitteilte. Putin habe seit 2000 nur elf Staatsbesuche unternommen, darunter in Deutschland.

In Peking äußerte sich Putin zuversichtlich zur weiterhin rasanten Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China. Der Handel wuchs 2011 um rund 40 Prozent auf 83 Milliarden US-Dollar. Bis 2015 sollen 100 Milliarden und bis 2020 sogar 200 Milliarden US-Dollar erreicht werden. Beide Präsidenten wollen auch die Wirtschaftskooperation im Rahmen der Shanghai-Organisation ausweiten.

Die 2001 gegründete SCO ist die einzige internationale Vereinigung, in der weder die USA noch einer ihrer Verbündeten Mitglied sind. Außer dem Iran sind Indien, Pakistan und die Mongolei Beobachter - ein Status, der auch Afghanistan eingeräumt werden soll. Deswegen ist auch Präsident Hamid Karsai nach Peking gereist. Er wird mit Putin und Hu Jintao zu getrennten Gesprächen zusammenkommen.