Washington/Islamabad (dpa) - Mit dem jüngsten Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan haben die USA einem Medienbericht zufolge die «Nummer zwei» des Terrornetzes Al-Kaida töten wollen. Die «Washington Post» berichtete, es sei unklar, ob Abu Jahja al-Libi verwundet oder getötet wurde.

Nach dem Angriff am Montag im Stammesgebiet Nord-Waziristan hatten pakistanische Geheimdienstmitarbeiter am Montagmorgen von mindestens 15 Toten berichtet. Aus Sicherheitskreisen hatte es geheißen, es gebe Berichte über Ausländer unter den Toten. Es war der dritte amerikanische Drohnenangriff innerhalb von drei Tagen.

Al-Libi hatte nach der Tötung Osama bin Ladens und dem Rückzug von dessen Nachfolger Eiman al-Sawahiri in Zufluchtsgebiete im pakistanischen-afghanischen Grenzgebiet eine Lücke in der Führung Al-Kaidas gefüllt. Der libysche Terrorist, der unter seinem Kampfnamen bekannt ist («Al-Libi» bedeutet «Der Libyer»), ist Al-Kaida-Anhängern sowohl als Kommandeur als auch als Prediger ein Vorbild.

Al-Libi war in der Vergangenheit schon mehrfach fälschlicherweise totgesagt worden. Anfang 2008 hatten Medien berichtet, er sei bei einem US-Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan gestorben. Ende 2009 hatte es ebenfalls Berichte über seinen Tod bei einem solchen Angriff gegeben. Der Top-Terrorist hatte sich aber danach noch zum Aufstand in seiner Heimat Libyen geäußert.

Al-Libi war 2005 gemeinsam mit anderen Terrorverdächtigen aus dem berüchtigten US-Militärgefängnis im afghanischen Bagram geflohen. Er schloss sich danach sofort wieder den Terroristen an.

Bei einem Luftangriff der Nato-geführten Schutztruppe Isaf in der ostafghanischen Provinz Wardak wurden am Dienstag nach offiziellen Angaben drei arabische Aufständische getötet. Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, man habe der Isaf mitgeteilt gehabt, dass die Araber in einen Distrikt eingesickert seien. Araber mit Verbindungen zu Al-Kaida und ähnlichen Gruppen kämpfen an der Seite der Taliban.

Bei Gefechten im Stammesgebiet Mohmand an der afghanischen Grenze wurden am Dienstag nach Militärangaben mindestens 16 Aufständische und ein pakistanischer Soldat getötet. Ein Sprecher der Grenztruppen sagte, Dutzende Aufständische hätten den Grenzposten Salala angegriffen. Sie seien in die Flucht geschlagen worden.

Salala ist der Grenzposten, bei dem bei einem US-Angriff im vergangenen November 24 pakistanische Soldaten getötet worden waren. Pakistan verlangt weiterhin eine Entschuldigung der USA dafür. Die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad sind seit der eigenmächtigen Tötung Bin Ladens durch US-Spezialkräfte am 2. Mai vergangenen Jahres extrem angespannt. Pakistan fordert unter anderem ein Ende der Drohnenangriffe, was die USA ignorieren. Offiziell sind beide Länder Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus.

Washington Post-Bericht