Bonn (SID) - Verschärfter Streit an der Doping-Front: Die Erfurter Affäre um UV-bestrahltes Athletenblut hat eine Kontroverse ausgelöst zwischen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA). Möglicherweise ist der Olympiastart von einigen der 30 Athleten in London bedroht, falls die an ihnen praktizierte Methode letzlich doch schon vor 2011 verboten war. WADA-Generaldirektor David Howman hatte am Montag in der ARD erklärt, die Blutbehandlung sei nicht erst seit 2011 unerlaubt gewesen.

Die Bonner Institution setzte sich am Dienstag gegen massive Vorwürfe aus Montreal zur Wehr, nachdem ihr durch einen Brief Howmans vom 31. Mai und am Montag auch in der ARD vorgeworfen wurde, die NADA habe entscheidende Informationen zur Beurteilung des Falles durch die WADA zurückgehalten.

Die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann und Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer bezeichneten die Vorwürfe von Howman als falsch und nicht nachvollziehbar. Schriftlich teilte Andrea Gotzmann dem WADA-Chef mit: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass sie zu dieser Entscheidung kommen, dass die NADA unvollständige Informationen an die WADA übermittelt hat." Man habe stets "vollständige und den Ermittlungen entsprechende Unterlagen" weitergegeben.

Howman hatte der NADA vorgeworfen, er sei sicher, dass die Informationen durch die NADA inkomplett seien. Dies wisse er durch Medien und andere Informanten. Auch Expertenberichte habe die NADA nicht komplett an die WADA geschickt. Darum könne man den Brief der NADA vom 26. April vergessen, indem mitgeteilt worden sei, die Methode sei vor 2011 nicht verboten gewesen.

Zum Vorwurf der WADA, sie habe beispielsweise die Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft nie zu Gesicht bekommen, erklärte die NADA, man habe alle für die Beurteilung des Falles notwendigen Fakten weitergegeben, nur nicht durch Persönlichkeitsrechte geschützte Daten.

Andrea Gotzmann reagierte mit Unverständnis darauf, dass Howman einen 13-Stunden-Flug zum Gespräch mit Journalisten nach Frankfurt getätigt habe, aber die NADA nicht informiert habe. "Ich wäre die Erste gewesen, die zum Flughafen gereist wäre."