Frankfurt/Main (dpa) - Eine Leitzinssenkung in China hat dem deutschen Aktienmarkt an Fronleichnam weiteren Schwung verliehen. Allerdings nahm US-Notenbankchef Ben Bernanke der guten Stimmung am Nachmittag den Wind aus den Segeln.

Der Dax beendete den dünnen Feiertagshandel daher nur noch mit einem Plus von 0,82 Prozent bei 6 144,22 Punkten, nachdem er in der Spitze um mehr als zwei Prozent gestiegen war. Schon am Vortag war er gut zwei Prozent höher aus dem Handel gegangen und damit über die Marke von 6 000 Punkten zurückgekehrt. Der MDax schloss am Donnerstag 1,92 Prozent höher bei 10 228,44 Zählern, der TecDax gewann 1,72 Prozent auf 748,88 Punkte.

Bernanke hatte vor dem US-Kongress vor den Gefahren der europäischen Schuldenkrise gewarnt und die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Fed signalisiert, ohne jedoch Details zu möglichen Maßnahmen zu nennen. «Man hatte sich mehr zu möglichen geldpolitischen Maßnahmen erhofft», kommentierte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade die Worte des Notenbankers. Bernanke sei nicht dem Beispiel Chinas gefolgt, ergänzte ein anderer Börsianer. Wegen der unerwartet starken Abkühlung der Konjunktur hatte die chinesische Notenbank erstmals seit 2008 wieder ihre Leitzinsen gesenkt.

An die Dax-Spitze zogen die Aktien der Commerzbank mit großem Vorsprung um 5,68 Prozent an. Adidas setzten ihre jüngste Erholung vor der am Freitag beginnenden Fußball-Europameisterschaft mit einem Aufschlag von 2,71 Prozent fort. Die Versorger Eon und RWE gehörten dagegen mit Abschlägen von 1,59 und 1,74 Prozent zu den größten Verlierern. Übertroffen wurden sie lediglich von ThyssenKrupp, die um 3,73 Prozent absackten. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am Vorabend die Kreditwürdigkeit des Stahlkonzerns herabgestuft.

Aktien der deutschen Autobauer zeigten sich indes unbeeindruckt von einem Bericht, wonach die Lagerbestände im chinesischen Automobilmarkt sprunghaft gestiegen sind. BMW stiegen als bester Branchenwert um 1,83 Prozent und Volkswagen legten ebenfalls mehr als ein Prozent zu. «Die Aktien haben in dem zuletzt schwachen Umfeld am schnellsten nachgegeben und nun gehören sie mit der marktbreiten Erholung zu den Gewinnern», sagte ein Börsianer. Im MDax schnellten die Aktien des Zulieferers Continental im Kielwasser um mehr als vier Prozent in die Höhe.

Auf europäischer Bühne hinkten die Märkte den deutschen Aktien teilweise etwas hinterher. Der EuroStoxx 50 schloss nur mit einem moderaten Plus von 0,25 Prozent bei 2 143,08 Punkten und in Paris stieg der Leitindex um 0,42 Prozent. Der «Footsie» in London kletterte dagegen um etwas mehr als ein Prozent und in New York lag der Leitindex Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit mehr als einem halben Prozent im Plus.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,01 Prozent am Vortag auf 1,11 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,39 Prozent auf 134,12 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,32 Prozent auf 144,20 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2595 (Mittwoch: 1,2485) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7940 (0,8010) Euro.