Mülheim/Ruhr (dpa) - Der österreichische Schriftsteller Peter Handke erhält den mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2012.

Vier der fünf Juroren des Theaterwettbewerbs «Stücke 2012» stimmten am frühen Freitagmorgen in Mülheims Theater an der Ruhr nach öffentlicher Debatte für Handke und sein Schauspiel «Immer noch Sturm».

Die Koproduktion des Thalia Theaters Hamburg und der Salzburger Festspiele war im August 2011 in Salzburg uraufgeführt worden. In dem Stück blickt ein dramatisches «Ich», das Züge Handkes trägt, zurück auf die Zeit des Nationalsozialismus. Der Dramatikerpreis gilt als einer der wichtigen Theaterpreise Deutschlands.

Handke selbst war bei der Entscheidung zum Abschluss der Mülheimer Theatertage nicht anwesend. «Wir haben noch keine Reaktion», sagte eine Theater-Sprecherin am Freitagvormittag. Der Preis soll bereits am 24. Juni oder am 1. Juli verliehen werden.

Der Publikumspreis ging an den Autor Philipp Löhle für «Das Ding», eine kritische Globalisierungskomödie. Inszeniert wurde sie vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Die Diskussion um die Preisverleihung wurde als Live-Stream im Internet übertragen und von rund 4800 Zuschauern verfolgt.

Im Rahmen des Wettbewerbs waren in den vergangenen drei Wochen sechs Inszenierungen auf die Bühne gekommen. Die elf Vorstellungen wurden von rund 2500 Menschen besucht, was einer Auslastung von 95,4 Prozent entspricht.

Im Wettbewerb waren noch die Theater-Newcomerin Anne Lepper mit ihrem zweiten Stück «Käthe Hermann» sowie der Hausautor des Staatsschauspiels Dresden, Martin Heckmanns, mit «Vater Mutter Geisterbahn». Das Akademietheater Wien steuerte die Eigenproduktion «Das fliegende Kind» von Roland Schimmelpfennig bei - der Autor führte selbst Regie. Die fünfte Jurorenstimme sprach sich für Claudia Grehn und Darja Stocker mit «Zorn und Zärtlichkeit (reicht es nicht zu sagen ich will leben)» (Schauspiel Leipzig/Deutsches Nationaltheater Weimar) aus. Das ebenfalls eingeladene Stück «Kill your Darlings! Streets of Berladelphia» von René Pollesch wurde nicht aufgeführt, weil der Hauptdarsteller erkrankt war. Es nahm daher nicht am Wettbewerb teil.

Bereits vor zwei Wochen war bei dem Wettbewerb das beste Kinderstück ausgewählt worden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis ging an Jens Raschke für «Schlafen Fische?». Der vom Theater im Werftpark Kiel inszenierte Monolog handelt vom Tod eines Kindes.