Los Angeles (dpa) - Deutschland verfehlt Gold: Trotz bester Chancen haben deutsche Nachwuchsregisseure bei der Vergabe der Studentenoscars am Samstagabend (Ortszeit) in Los Angeles nicht den begehrten Hauptpreis bekommen.

Thomas Stuber von der Filmakademie Baden-Württemberg bekam die Silbermedaille, Elmar Imanov aus Köln Bronze. Gefeiert wurde trotzdem - zumal der deutsche Film in Hollywood richtig Eindruck gemacht hat.

Der Studentenoscar ist von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jedes Jahr im Februar auch den begehrtesten Filmpreis der Welt vergibt. Etwa 100 Tage später folgt seit fast 40 Jahren der Studentenoscar, doch dort läuft es ein bisschen anders. Es gibt nur fünf Kategorien und die besten drei Kandidaten stehen stets Wochen vorher fest. Die drei Nachwuchskünstler wissen also, dass sie im jeden Fall die Auszeichnung bekommen - nur bis zum Abend der Gala in Hollywood nicht, ob es in Gold, Silber oder Bronze ist.

Bei den Auslandsfilmen sind Deutsche immer wieder mit dabei. Vor einem Jahr holte der Hamburger Regisseur Max Zähle mit seinem Kurzspielfilm «Raju» Bronze. In diesem Jahr waren 51 Teilnehmer aus 29 Ländern dabei, Deutschland war mit sieben Bewerbern am stärksten vertreten. Und als die Jury nur noch drei übrig ließ, waren unter diesen besten gleich zwei Deutsche: Thomas Stuber und Elmar Imanov.

Von dem, was man Blockbuster nennt, sind die Filme im Wettbewerb Lichtjahre entfernt. Stars und Explosionen sucht man vergebens, statt dessen findet der Zuschauer, der sich darauf einlässt, Melancholie und Fantasie. Eben eine Geschichte, die meist in weniger als einer halben Stunde erzählt wird. Solche Filme heimsen diverse Preise bei internationalen Festivals ein und werden von den Kritikern gelobt. Dann laufen sie an irgendeinem Mittwoch um 23.45 Uhr bei 3sat.

«Von Hunden und Pferden» ist solch ein Film. Der in Leipzig geborene Thomas Stuber erzählt darin eine Geschichte, die jeden Tag irgendwo passieren kann: Rolf, Mitte fünfzig, arbeitslos, allein. Sein einziger Freund ist Piet - sein Hund. Doch der muss sterben, wenn er nicht für 3000 Euro operiert wird. Rolf klaubt sein letztes bisschen Geld zusammen - und geht zur Rennbahn, um die 3000 Euro zu gewinnen. Der Film nach dem Buch des Leipzigers Clemens Meyer hat in Deutschland schon mehrere Preise gewonnen.

Noch eindrucksvoller, schon wegen der fremden Erlebniswelten, ist «Die Schaukel des Sargmachers». Der Kölner Elmar Imanov erzählt darin eine Geschichte aus Aserbaidschan, dem Land, in dem er vor 27 Jahren geboren wurde. Dort wird Musa ständig von seinem Vater geschlagen, obwohl er schon erwachsen und noch dazu behindert ist. Aber Mitleid scheint der Alte nicht zu kennen - bis er erfährt, dass Musa sterben wird. Als er den Sarg für den eigenen Sohn zimmern muss, verändert das den Mann.

Der Gewinnerfilm ist da leichter. In «For Elsie» erzählt David Winstone mit Humor die Geschichte eines Klavierlehrers, der für satte 10 000 Pfund der Tochter eines russischen Gangsters Beethovens «Für Elise» beibringen soll - allerdings an nur einem Tag.

Der Studentenoscar ist nicht irgendein Nachwuchspreis, er ist oft genug ein Sprungbrett. John Lasseter («Toy Story», «Findet Nemo», «Wall-E»), Spike Lee («Malcolm X», «Inside Man»), Robert Zemeckis («Zurück in die Zukunft», «Contact», «Cast Away») - sie alle standen mal hier, unbekannt, aber mit der Trophäe in der Hand. Und letzterer bekam sogar noch einen «richtigen» Oscar, 1994 für «Forrest Gump».

Auch Stuber kann sich eine Karriere in den USA vorstellen: «Es ist Hollywood. Welcher Regisseur träumt nicht davon?» Das seien aber erst einmal nur Träume: «Ich bezweifle, dass die hier ausgerechnet auf mich gewartet haben. Aber ein interessantes Gedankenspiel ist es schon. Für mich ist mein Arbeitsplatz aber ganz klar in Deutschland.» Das wichtigste am Abend von Los Angeles seien die Kontakte. «Und deshalb sind wir alle Gewinner. Und so feiern wir jetzt auch!»