Lwiw/Danzig (dpa) - Joachim Löw hat alles richtig gemacht zum Start in seine Meisterprüfung. Sein neuer, überraschend berufener Abwehrchef Mats Hummels durfte sich als stärkster Mann des EM-Auftakts feiern lassen.

Der auf Bewährung spielende Jérome Boateng legte Portugals Star Cristiano Ronaldo weitgehend an die Kette. Und Knipser Mario Gomez, den der Bundestrainer im ukrainischen Lwiw statt Miroslav Klose in die Angriffsspitze beorderte hatte, machte das, was er am besten kann. «Das spricht für seine Qualität: Eine Chance - ein Tor!», lobte Löw seinen Matchwinner.

Natürlich wusste der Chef der deutschen Spaß-Fußballer um Mesut Özil, der etwas überraschend zum «Mann des Spiels» gewählt wurde, den 1:0-Auftaktsieg genau einzuordnen. Wie beim Formel-1-Start war sich Löw vorgekommen gegen starke und disziplinierte Portugiesen, «nur ohne Warm-up-Runde». Seine Spieler mussten vor 32 990 Fans, die klare Mehrzahl aus Deutschland, «sofort in die Vollen» gehen, betonte der Trainer der Fußball-Nationalmannschaft. «Es gibt keine Mannschaft wie bei der WM, wo man sich ein bisschen einspielen kann. Daher ist es wichtig, dass man der Musik nicht hinterherläuft», sagte Löw.

Das tun nach dem ersten Spieltag nun erst einmal die Gruppenkontrahenten Portugal und Holland, die beiden Verlierer der ersten Runde. «Die Niederländer stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand, sie müssen ein Alles-oder-nichts-Spiel machen», blickte Löw schon auf die nächste Aufgabe am kommenden Mittwoch in Charkow. Eine weitere Niederlage würde den hochgelobten WM-Zweiten Niederlande schon so gut wie aus dem Wettbewerb spülen, bevor er richtig begonnen hat. «Das macht die Partie nochmal ein Stück brisanter», meinte Löw.

Einige Baustellen konnte der DFB-Chefcoach trotz sichtbarer Anfangsprobleme schon gegen Ronaldo und Co. schließen. Die Abwehr um die Innendecker Hummels und Badstuber steht erst einmal. Bastian Schweinsteiger hat sich wieder reingebissen in seine Chefrolle, auch wenn noch kein Glanz zu sehen war. «Das Spiel war von der Taktik geprägt, beide haben gut verteidigt», kommentierte Löw.

Schon auf dem Rückflug in der Nacht zum Sonntag ins Stammquartier nach Danzig dürfte der Freiburger darüber nachgedacht haben, wie auch die hoch veranlagte Offensivabteilung wieder zum höchsten Niveau der vergangenen Monate zurückfindet. «Wir wissen, dass wir uns noch steigern müssen, das werden wir tun», verkündete Özil selbstbewusst. Löw stellte ohne Schnörkel fest: «Das Turnier hat jetzt begonnen.»