Den Haag/Kairo (dpa) - Vier Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) werden seit Donnerstag in Libyen festgehalten. Das bestätigte das Den Haager Gericht am Samstagabend.

Die vier seien festgenommen worden, nachdem sie am vergangenen Mittwoch für ein Treffen mit Saif al-Islam Gaddafi, dem inhaftierten Sohn des gestürzten und getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, in das nordafrikanische Land eingereist seien. Gründe für die Festnahme wurden nicht genannt. IStGH-Präsident Sang-Hyun Song, forderte die sofortige Freilassung der vier Mitarbeiter.

Die unabhängige libysche Nachrichtenagentur Solidarity Press hatte zuvor unter Berufung auf einen mit dem Fall betrauten libyschen Rechtsanwalt gemeldet, dass eine australische Anwältin des IStGH im Anschluss an das Treffen mit Gaddafi im westlibyschen Zintan festgenommen worden sei, weil sie verdächtige Dokumente bei sich gehabt habe. Über den Inhalt der Dokumente wurde zunächst nichts bekannt.

Die libysche Übergangsregierung will Gaddafi im eigenen Land den Prozess machen und lehnt seine Überstellung nach den Haag ab. Der 39-Jährige wurde im November vergangenen Jahres im Süden Libyens nahe der Grenze zum Niger gefasst. Sein Vater war einen Monat zuvor bei der Einnahme seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet worden. Der IStGH hatte internationale Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Saif al-Islam Gaddafi, seinen Vater und dessen Geheimdienstchef erlassen.

«Wir sind sehr besorgt um die Sicherheit unserer Mitarbeiter, zu denen es überhaupt keinen Kontakt gibt», erklärte IStGH-Präsident Sang-Hyun. Er erinnerte daran, dass sie in offiziellem Auftrag des Gerichts unterwegs seien und Immunität genössen. «Ich fordere die libyschen Behörden auf, sofort alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um ihren Schutz und ihre Sicherheit zu gewährleisten, und sie freizulassen», erklärte Sang-Hyun Song. Der IStgH hoffe, dass die Lage schnell gelöst werde im Geiste der Zusammenarbeit, die es bisher zwischen dem Gericht und den libyschen Behörden gegeben habe.