Montréal (dpa) - Sebastian Vettel hat sich beim Reifen-Poker von Montréal durchreichen lassen und sogar das Podium verpasst. Dafür jubelte in Lewis Hamilton der siebte Fahrer im siebten Rennen.

Auf den Tag genau fünf Jahre nach seinem ersten Formel-1-Erfolg fuhr der Brite im McLaren beim Großen Preis von Kanada wie entfesselt und raste auch zur WM-Gesamtführung. Der 27-Jährige verwies den Franzosen Romain Grosjean im Renault und den Mexikaner Sergio Perez auf die Plätze zwei und drei. Vettel schaffte es noch immerhin auf Rang vier vor Fernando Alonso im Ferrari.

Ein völliges Desaster erlebte Mercedes. Nachdem ein Strategiefehler in der Qualifikation schon einen besseren als Startrang neun für Michael Schumacher verhindert hatte, stoppte den siebenmaligen Weltmeister und siebenmaligen Kanada-Gewinner in der 46. Runde wieder einmal ein technischer Defekt - zum fünften Mal in dieser Saison war das Rennen vorzeitig für ihn zu Ende. Teamkollege Nico Rosberg verpasste es zwei Wochen nach seinem zweiten Rang in Monaco als Sechster, weiteren Boden auf die WM-Führenden gut zu machen. Hinter Hamilton (88 Punkten) und Alonso (86) rangiert Vettel mit 85 Zählern an dritter Stelle.

Kein Regen wie im vergangenen Jahr und auch keine zweistündige Pause - aber am Ende reichte es für Vettel und Red Bull wieder nicht zum ersten Sieg auf dem Circuit Gilles Villeneuve. Dabei hatte er beste Vorarbeit geleistet und ungeachtet des Verbots des löchernden Unterbodens an seinem Wagen die Konkurrenz im Qualifying dominiert. Als dann am Sonntag bei fast 30 Grad und herrlichem Sonnenschein über der Île Notre Dame die Roten Ampel ausgingen, verteidigte der 24 Jahre alte Doppelweltmeister souverän seine Pole.

Nur eines gelang ihm auf der Île Notre Dame im St. Lorenz-Strom nicht: Widersacher Hamilton und auch WM-Vordermann Alonso abzuschütteln, die von den Rängen zwei und drei auch in den WM-Lauf in Nordamerika gestartet waren. Von dem Dreierpack kam Vettel als erster zum ersten Reifenwechsel in die Box. Die Zeit nur mäßig, die Quittung: Nachdem Hamilton eine Runde später neue Pneus aufziehen lassen hatte, reihte sich der Weltmeister von 2008 vor den Titelträger der vergangenen beiden Jahre. Dass sich danach Alonso nach seinem Boxenstopp an die Spitze setzte, machte Hamilton noch in derselben Runde wieder rückgängig.

Hamilton hielt seine Verfolger auf Distanz - bis zum zweiten Reifenwechsel in der 50. Runde. Der Stopp verlief nicht optimal. Alonso und Vettel blieben zunächst auf der Strecke, Hamilton reihte sich hinter ihnen ein. Doch mit den frischen Reifen fuhr der Brite eine schnellste Runde nach der anderen.

Während der Spanier und der Deutsche sich scheinbar mit nur einem Boxen-Stopp ins Ziel retten wollten, holte Hamilton Sekunde für Sekunden auf. In Runde 62 schnappte er sich Vettel. Kurz danach fuhr der Heppenheimer noch einmal an die Box und fiel zunächst auf Rang fünf zurück. Als nächstes schnappte sich Hamilton sechs Durchgänge vor dem Ziel Alonso. Mit abgefahrenen Reifen musste der Spanier dann auch noch Grosjean, Perez und Vettel ziehen lassen. Hamilton raste indes ungefährdet nach 305,207 Kilometer in 1:32:29,586 Stunden zum 18. Sieg seiner Karriere.