Paris (dpa) - Mit eher schwachem Interesse hat in Frankreich die erste Runde der Wahlen zur Nationalversammlung begonnen. Fünf Wochen nach der Präsidentenwahl sind die Bürger der zweitgrößten EU-Volkswirtschaft dazu aufgerufen, die 577 Sitze der ersten Parlamentskammer neu zu vergeben.

Umfragen zufolge dürfte es einen Machtwechsel von rechts nach links geben. Meinungsforscher sehen die Sozialistische Partei des neuen Präsidenten François Hollande vorn. Der bislang dominierenden UMP werden kaum Chancen auf die Mehrheit eingeräumt. Die konservativ-rechte Partei war zuletzt ganz auf den abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy ausgerichtet.

Sollte es wie erwartet eine neue Mehrheit in der Nationalversammlung geben, könnte die französische Linke nahezu ungehindert die Politik des Landes bestimmen. In der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, hat sie bereit seit dem vergangenen Jahr eine Mehrheit.

Im Vergleich zur Präsidentenwahl am 6. Mai lag die Wahlbeteiligung am Sonntag zunächst sehr niedrig. Bis zum Mittag hatten nach Angaben des Innenministeriums lediglich rund 21,1 Prozent der wahlberechtigten Franzosen im europäischen Kernland ihre Stimme abgegeben. Vor fünf Jahren waren es zur gleichen Zeit immerhin 22,6 Prozent gewesen. Schon damals hatte die Wahlbeteiligung am Schluss nur bei 60 Prozent gelegen. Die Wahlbeteiligung in der zweiten Runde der Präsidentenwahl hatte vor fünf Wochen mittags bei 31 Prozent und zum Schluss bei 80 Prozent gelegen.

Das endgültige Ergebnis der Wahlen zur Nationalversammlung wird erst nach der zweiten Wahlrunde in einer Woche feststehen. Um bereits im ersten Wahlgang gewählt zu werden, brauchen die Kandidaten eine absolute Mehrheit in ihrem Wahlkreis. Dies schaffen jedoch nur die wenigsten. In den anderen Wahlkreisen gibt es am 17. Juni eine zweite Runde mit all jenen Kandidaten, die mindestens 12,5 Prozent der Stimmen der eingeschrieben Wähler erhielten.

Insgesamt sind rund 46 Millionen Franzosen wahlberechtigt. Die ersten offiziellen Hochrechnungen werden nach Schließung der letzten Wahllokale um 20.00 Uhr erwartet. Bereits am Samstag wurde in denjenigen Überseegebieten gewählt, die wie die Karibikinseln Guadeloupe und Martinique weit westlich des französischen Kernlands liegen.

Eines der spannendsten Politiker-Duelle wird in der nordfranzösischen Stadt Hénin-Beaumont erwartet. Dort wird ein Zweikampf zwischen Linkspartei-Führer Jean-Luc Mélenchon und Rechtspopulistin Marine Le Pen vom Front National erwartet. Beide Politiker hatten als Kandidaten bei der Präsidentenwahl in der ersten Runde Achtungserfolge erzielt - Le Pen kam auf knapp 18, Mélenchon auf 11 Prozent der Stimmen. Aus Hollandes Regierungsteam treten in ihren Wahlkreisen Premierminister Jean-Marc Ayrault sowie 24 weitere Männer und Frauen an. Ayrault hat bereits angekündigt, dass Wahlverlierer ihren Platz im Kabinett abgeben müssen.

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