Wolfsburg/München/Hamburg (dpa) - Der VW-Konzern denkt laut einem Zeitungsbericht über einen Einstieg ins US-Nutzfahrzeug-Geschäft nach und soll dabei den Lastwagenbauer Navistar im Visier haben.

Dies schreibt die «Financial Times Deutschland» (Montag) mit Verweis auf entsprechende Angaben aus Unternehmenskreisen. Ein VW-Sprecher wollte etwaige Pläne zur Beteiligung an einem Anbieter in den Vereinigten Staaten nicht kommentieren: «Das sind Spekulationen, zu denen wir uns nicht näher äußern möchten.» Das Blatt schränkte ein, die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium.

Die Wolfsburger wollen ihre Lastwagen-Töchter Scania und MAN sowie die leichten VW-Nutzfahrzeuge enger zusammenführen. Der bisherige Scania-Chef Leif Östling soll die Sparte nach einem umfassenden Personalumbau im Konzern künftig koordinieren. Ziel ist es vor allem, Kosten in Entwicklung und Einkauf zu sparen und die seit Jahren geplante «Lkw-Allianz» unter dem Volkswagen-Dach auf den weltweiten Nutzfahrzeug-Märkten voranzubringen.

Ein möglicher US-Ableger des größten europäischen Autokonzerns könnte von strategischer Bedeutung sein, weil Volkswagen in diesem Bereich in Nordamerika bislang noch nicht vertreten ist - im Unterschied etwa zum Konkurrenten Daimler, der mit der Marke Freightliner seit längerem in den USA mitmischt. Im Pkw-Geschäft will VW mit dem im Mai 2011 eröffneten Werk in Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) angreifen. Die Kernmarke VW-Pkw sieht in den USA noch viel Potenzial, um gegenüber anderen Anbietern aufzuholen.

Wie die FTD weiter berichtet, müsste sich Volkswagen bei einem konkreten Interesse an Navistar wohl gegen mächtige Rivalen durchboxen. Auch Fiat soll mit den Amerikanern liebäugeln, Konzernchef Sergio Marchionne hatte grundsätzliches Interesse am US-Lkw-Markt angemeldet. Zur Firmengruppe gehört schon der Lastwagen-Riese Iveco. Fiat kontrolliert außerdem den US-Autobauer Chrysler. Aus dem aktuell niedrigen Aktienkurs von Navistar könne man aber noch keine Rückschlüsse auf einen bevorstehenden Kauf von Anteilen schließen, hieß es aus dem Umfeld der Unternehmen.