Potsdam (SID) - Häftling Süleyman Koc erhält beim SV Babelsberg 03 eine zweite Chance. Der im Frühjahr zu einer 45-monatigen Haftstrafe verurteilte Deutsch-Türke wurde von seinem Ex-Verein mit einem neuen Einjahresvertrag ausgestattet und war am Montag beim Trainingsstart des Fußball-Drittligisten wieder dabei.

"Ich bin bereit und dankbar, wieder beim SV Babelsberg spielen zu dürfen", sagte Koc der Märkischen Allgemeinen. Er sei nach seiner Haftentlassung schon täglich mehrere Kilometer gelaufen, "doch es ist etwas ganz anderes, mit einer Mannschaft und dem Ball trainieren zu können", sagte der 23-Jährige.

Koc gehörte in der Spielzeit 2010/2011 bereits zum Kader der Babelsberger, ehe er wegen der Beteiligung an Überfällen auf Spielcasinos in Berlin zu der Haftstrafe verurteilt wurde. Wegen einer guten Sozialprognose darf er die Strafe nun im offenen Vollzug verbüßen.

"Ich habe mich jetzt gut im Griff. Ich will mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben", sagte Koc über sein früheres Leben: "Wenn ich daheim in Moabit jemanden von der alten Clique sehe, grüße ich und gehe weiter."

Während der elfmonatigen Untersuchungshaft habe er vor allem von seiner Familie Unterstützung erhalten. "Mein Vater hat alles dafür getan, um mich rauszukriegen. Er hat an mich geglaubt", sagte der talentierte Mittelfeldspieler. Der Jung-Profi weiß, dass schwierige Zeiten auf ihn zukommen: "Ich werde tagsüber trainieren und in Babelsberg sein und dann die Nacht im Vollzug verbringen. Der Verein wird mir helfen."

Der Klub ist sich der Tragweite der Entscheidung bewusst. Koc habe aber nach Wahrnehmung aller Beteiligten in Vorstand und Trainerteam die Beteiligung an den schweren Straftaten ehrlich bereut und sei um Wiedergutmachung bemüht. Aus diesem Grunde habe man sich entschlossen, ihm eine zweite Chance zu geben: "Alle Verantwortlichen des SVB hoffen, dass Süleyman Koc diese zweite Chance wahrnimmt und das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt", hieß es in der Mitteilung des Klubs.