Damaskus/Istanbul (dpa) - Die syrischen Regierungstruppen müssen bei ihren Einsätzen in den Hochburgen der Regimegegner immer mehr Verluste hinnehmen.

Ein Nachrichtenportal der Opposition schrieb unter Berufung auf eine Brigade der Freien Syrischen Armee, in der Provinz Homs hätten Deserteure mehrere gepanzerte Fahrzeuge der Truppen von Präsident Baschar al-Assad zerstört. Außerdem hätten sich in einem Stützpunkt der Luftwaffe zahlreiche Soldaten und Offiziere den Deserteuren angeschlossen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, am Vortag seien 22 Angehörige der Armee und der Sicherheitskräfte beigesetzt worden. Diese seien von «Terroristen» in den Provinzen Latakia, Damaskus-Land und Deir as-Saur getötet worden. Am Montag seien in Duma außerhalb von Damaskus zahlreiche «Terroristen» getötet worden. Auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei bei dem Gefecht in Duma ums Leben gekommen. Während eines weiteren Gefechts in der Provinz Latakia seien fünf Ordnungspolizisten ums Leben gekommen. Im Damaszener Viertel Birse hätten die Regimegegner zwei Autos in die Luft gesprengt. Insgesamt drei Fahrzeuginsassen seien dabei ums Leben gekommen.

In einem Internet-Forum der Opposition war am Wochenende ein Video aufgetaucht, das angeblich maskierte syrische Regimegegner zeigt. Sie tragen Panzerfäuste und danken «den Revolutionären aus Derna» in Libyen für ihre Waffenlieferungen. Auch aus anderen Quellen mehren sich inzwischen Hinweise darauf, dass die Bewaffnung der Assad-Gegner jetzt deutlich besser ist als noch vor etwa zwei Monaten. In Saudi-Arabien hatte das Herrscherhaus kürzlich islamische Geistliche gewarnt, die zu Spenden für Syrien aufgerufen hatten.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, am Montag hätten die Regierungstruppen versucht, die von den Regimegegnern kontrollierte Ortschaft Al-Rastan sowie mehrere Viertel der Stadt Homs einzunehmen. In Al-Rastan seien vier Menschen getötet worden, darunter ein Mädchen. Durch die Explosion eines Sprengsatzes neben einer Patrouille in der Stadt Idlib seien vier Angehörige der Sicherheitskräfte und ein Zivilist ums Leben gekommen. In einem Dorf in Idlib seien drei Deserteure bei einem Gefecht mit den Regierungstruppen ums Leben gekommen. Insgesamt zählten die Regimegegner auf ihrer Seite am Montag 49 Todesopfer, die meisten von ihnen in der Provinz Idlib.

Ein Sprecher der kurdischen Revolutionskomitees begrüßte unterdessen die Wahl von Abdel Baset Seida zum neuen Vorsitzenden des oppositionellen Syrischen Nationalrates. Er teile nicht die Bedenken liberaler Kräfte, die befürchten, Seida habe keine große Macht und werde deshalb eine Marionette der Muslimbrüder sein. Der Sprecher sagte: «Dass die Muslimbrüder gar nicht so mächtig sind, wird sich nach dem Sturz des Regimes zeigen. Denn die Kurden, die Christen, die Alawiten und die anderen Minderheiten denken alle größtenteils liberal, und selbst unter den sunnitischen Arabern gibt es in Syrien viele, die nicht auf der Seite der Islamisten sind.»

Die Oppositionswebsite All4Syria meldete, am Wochenende seien acht Aktivisten aus dem Gefängnis entlassen worden. Auch drei Aktivisten, die ohne Gerichtsurteil festgehalten wurden, habe man freigelassen.

Die syrischen Regimegegner baten unterdessen König Abdullah II. von Jordanien, die Grenze für syrische Flüchtlinge geöffnet zu lassen. In einem am Montag verbreiteten Appell im Namen der Allgemeinen Kommission für die Syrische Revolution hieß es: «Mit Trauer und Bedauern haben wir festgestellt, dass Syrer, die nach Jordanien kommen, dort nicht mehr willkommen sind.» Offiziell ist die jordanische Grenze für syrische Flüchtlinge nicht geschlossen. Seit Freitag seien mehr als 400 Syrer angekommen, hieß es von Helfern in Jordanien.

Sana-Meldung, englisch