Frankfurt/Madrid (dpa) - Trotz der Einigung auf Milliarden-Hilfen für Spaniens kriselnde Banken bleiben die Märkte skeptisch. Die Börsen reagierten am Montag nur vorübergehend mit teils kräftigen Kursgewinnen. Die Erleichterung am Anleihemarkt, der als Krisenindikator gilt, war jedoch nur von kurzer Dauer.

Die Zinsen, die Madrid Investoren für frisches Geld bieten muss, stiegen nach anfänglicher Erholung wieder deutlich an. Händler führten die Unsicherheit auf viele offene Fragen in Spanien zurück, aber auch auf die am kommenden Sonntag anstehende Neuwahl in Griechenland. Die Folgen eines möglichen Austritts Athens aus der Eurozone gelten als unabsehbar.

Erleichterung herrschte nach der Einigung auf Hilfen für Spaniens angeschlagenen Bankensektor zunächst an den Aktienmärkten rund um den Globus: Der deutsche Leitindex Dax legte zum Start in die neue Handelswoche zwischenzeitlich bis zu zweieinhalb Prozent zu, gab bis zum Abend allerdings die Gewinne fast vollständig wieder ab und schloss mit einem Plus von 0,17 Prozent bei 6141,05 Punkten. Auch der Eurokurs konnte nur vorübergehend profitieren.

Die Hilfsgelder für Spanien und die positiven chinesischen Exportdaten im Mai hätten am Morgen zu einer Marktübertreibung nach oben geführt, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Die Euro-Schuldenkrise sei mit den Spanien-Hilfen nicht vom Tisch. Laut dem Marktstrategen Christian Schmidt von der Helaba bleiben die Anleger skeptisch. Zudem dürfte sich das Augenmerk bereits auf die am Wochenende anstehende Wahl in Athen richten.

Auch an den asiatischen und europäischen Börsen ging es nach oben. Wie der Dax gaben aber auch die europäischen Indizes bis zum Abend wieder nach. In Tokio schloss der Nikkei-225-Index knapp 2 Prozent höher. Am Anleihemarkt dauerte die Entspannung nur kurz: Die Renditen spanischer und auch italienischer Staatsanleihen - Gradmesser für das Misstrauen der Investoren gegen die Länder - stiegen im Laufe des Tagesverlauf wieder deutlich an. In diesem Umfeld dürften die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen gefragt bleiben.

Der Euro gab seine frühen Gewinne im Tagesverlauf wieder ab: Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 1,2498 US-Dollar gehandelt. Im frühen asiatischen Handel war der Eurokurs noch bis auf 1,2667 Dollar gestiegen.

Um Spaniens Bankenkrise in den Griff zu bekommen und die Märkte zu beruhigen, hatten die Finanzminister des Währungsraums am Wochenende bis zu 100 Milliarden Euro für die kriselenden Institute zugesichert. Die EU-Kommission erwartet den offiziellen Antrag Spaniens «in Kürze», wie der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel sagte, ohne ein konkretes Datum zu nennen. Zuvor hatte das Land internationale Hilfe aus Angst vor einem Spardiktat wochenlang abgelehnt.

Weitere Probleme in der Euro-Zone: Der Verbleib Griechenlands im gemeinsamen Währungsraum ist ungewiss, und die drastischen Sparprogramme in Euro-Schuldenstaaten schlagen immer stärker auf die Konjunktur durch. Dem Euro-Raum droht in diesem Jahr eine Rezession, die italienische Wirtschaft schrumpft bereits das dritte Quartal in Folge. Im ersten Vierteljahr 2012 verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,8 Prozent zum Vorquartal, wie die italienische Statistikbehörde Istat eine erste Schätzung bestätigte. Demnächst könnte auch noch Zypern unter einen europäischen Rettungsschirm schlüpfen. «Niemand kann dies ausschließen», sagte Regierungssprecher Stefanos Stefanou im zyprischen Radio. Im Blick hat das kleine Land Hilfe für seine ins Wanken geratenen Banken.

Madrid wird zudem durch die Notkredite seine Verschuldung nach oben treiben. Die Auswirkungen auf das spanische Haushaltsdefizit seien noch nicht zu beziffern, sagte Rehns Sprecher. Die Folgen für das Defizit im Staatshaushalt würden nun vom Europäischen Statistikamt Eurostat geschätzt.

Für die zugesicherten Notkredite muss Spanien nach EU-Angaben Kontrollbesuche von Experten in seinem Land akzeptieren. In einem ersten Schritt werde die EU-Kommission mit Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB), der Europäischen Bankenaufsicht EBA und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) den Finanzbedarf der spanischen Banken bestimmen, sagte der Sprecher des EU-Währungskommissars. Daraus würden die Summe und die Auflagen für die Kredite, die Madrid einhalten müsse, abgeleitet.

Der IWF werde dann die Umsetzung der Auflagen überwachen - auch wenn er sich nicht an der Finanzierung der Hilfe für Spanien beteilige. Der Fonds werde regelmäßig nach Besuchen vor Ort über die Fortschritte der Reformen im spanischen Bankensystem berichten. Dem habe Spanien bei der Telefonkonferenz der Eurogruppe am Samstag zugestimmt. Zuvor hatte Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos noch gesagt, dass der IWF nur «eine beratende Rolle» spiele.

Die Bundesregierung begrüßte die Entscheidung der spanischen Regierung vom Wochenende. «Das ist für die Märkte und die Partner Europas insgesamt ein gutes Zeichen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.