Köln (SID) - Keine Sanktionen gegen Judith Hesse: In der brisanten Affäre um die Bestrahlung von Athletenblut am Olympiastützpunkt Erfurt haben sich die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) und Eisschnellläuferin Judith Hesse im Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) geeinigt: Objektiv liegt ein Dopingvergehen vor, im konkreten Fall jedoch kein Verschulden der Athletin, so dass keine Sanktionierung erfolgt.

Judith Hesse (29), 2006 Siegerin eines Weltcuprennens und frühere deutsche Meisterin, hatte Selbstanzeige erstattet und bei der mündlichen Verhandlung am 23. März vor dem DIS zugegeben, noch im Februar 2011 am Olympiastützpunkt Erfurt von Andreas Franke eine UV-Behandlung ihres Blutes erhalten zu haben. Sie gehört damit zum Kreis von 30 Athleten, die Franke laut Praxisunterlagen behandelt haben soll.

Dies führte zu einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Erfurt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Das Schiedsgericht kam zur Auffassung, Frankes Behandlung stelle den Gebrauch einer verbotenen Methode gemäß M 2.3 der ab 1. Januar 2011 gültigen Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) dar. Von einer Sanktionierung der Athletin gemäß Artikel 10 NADC i. V. m. Art. 1 DESG ADO sei abzusehen.

In der Entscheidung des DIS heißt es: "In diesem konkreten Einzelfall liegt ein Verschulden der Schiedsbeklagten nicht vor. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Schiedsbeklagte aufgrund einer akuten und schwerwiegenden Erkrankung unmittelbar nach ihrer Rückkehr von einem Wettkampf im Ausland zunächst zu ihrem langjährigen Verbands- und Mannschaftsarzt begeben hat. Dieser überwies sie an Herrn F., der die streitgegenständliche Behandlung durchführte. Die Schiedsbeklagte hat sich folglich nicht aus eigenem Antrieb in die Behandlung von Herrn F. begeben."

Weiter stellt das DIS fest: "Vor Durchführung der streitgegenständlichen Behandlung fragte die Schiedsbeklagte Herrn F. mehrfach ausdrücklich, ob die Behandlungsmethode mit dem Anti-Doping-Code der NADA vereinbar sei. Ausdrücklich erklärte Herr F., dass die Behandlungsmethode erlaubt sei. Auch die nach der Behandlung von der Schiedsbeklagten gestellte Frage, ob sie etwas anmelden müsse, wurde von Herrn F. verneint."

Daraus folgerte das DIS, vertreten durch Einzelrichter Ingo Erberich: "Auf diese Aussagen durfte sich die Schiedsbeklagte auch verlassen, zumal Herr F. bereits mehr als 15 Jahre als Olympiastützpunktarzt in Erfurt tätig war und zu diesem Zeitpunkt keine Anhaltspunkte für die Schiedsbeklagte ersichtlich waren, an seiner Reputation zu zweifeln. Ermittlungen gegen Herrn F. waren nicht bekannt und wurden wohl auch tatsächlich zu diesem Zeitpunkt nicht durchgeführt. Es erscheint - angesichts der akuten und schweren Erkrankung der Schiedsbeklagten - sachfremd, von der Schiedsbeklagten zu verlangen, trotz der eindeutigen Aussage eines langjährig tätigen, anerkannten Olympiastützpunktarztes unmittelbar vor Durchführung einer Behandlung aus dem Behandlungszimmer heraus weitere Erkundigungen einzuholen oder zunächst ganz auf die Behandlung zu verzichten. Zu beachten ist auch, dass es letztlich bei einer einmaligen Behandlung durch Herrn F. geblieben ist. Mangels Verschulden der Schiedsbeklagten scheidet damit eine Sanktion nach dem Nationalen Anti Doping-Code aus."