Danzig (SID) - Die Werbestrategen haben Lukas Podolski gut ins Bild gesetzt. In einem weißen Mustang Shelby fährt der Kölner Volksheld gemeinsam mit seinem Kumpel Felix Sturm an einem grauen Morgen durch ein Industriegebiet, hält vor einer Werkshalle. Drinnen übernimmt der Box-Weltmeister das Kommando, wie bei "Rocky" schlägt er wild auf eine Schweinhälfte ein, die im Ring hängt, ein. Dann plötzlich wirft Sturm dem Sparringspartner einen Fußball zu: Podolski setzt wild entschlossen zu einem Volleyschuss an - zerlegt die Schweinehälfte. Sturm lächelt.

Über 10.000 Fans haben auf der Internetplattform YouTube bislang dieses kultige Video des Fußball-Nationalspielers angeschaut. Bei Facebook streckten innerhalb von einer Woche immerhin rund 5000 Besucher den Daumen nach oben. Wer böse ist, der könnte allerdings auch sagen: Na immerhin, die Schweinhälfte trifft Podolski noch.

Ob Joachim Löw die Imagekampagne seines Mittelfeldspielers ebenfalls gefällt, ist nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass der Bundestrainer die wilde Entschlossenheit, die Podolski in diesem Clip zeigt, gerne auch in der Nationalmannschaft sehen würde. Im EM-Auftaktspiel der der DFB-Auswahl gegen Portugal deutete der 27-Jährige einige Male seine Gefährlichkeit an, bei einer ähnlichen Situation wie im Boxring drosch er den Ball aber nach glänzender Vorarbeit von Mesut Özil mit seinem starken linken Fuß in den Nachthimmel von Lwiw.

Was Podolski angeht, scheint die Nationalmannschaft diesmal nicht als Wohlfühloase zu taugen. "Podolski ist mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt. Er ist mit Köln abgestiegen und muss jetzt seinen Umzug nach London organisieren. Er ist vom Kopf her nicht frei", kritisierte Ehrenspielführer Lothar Matthäus nach dem Spiel den künftigen Angestellten des FC Arsenal. Zudem scheint der Druck auf ihn in seinem Geburtsland Polen besonders groß zu sein.

Mit 43 Treffern in bislang 98 Länderspielen weist Podolski zwar eine sensationelle Quote auf, der beste Nachwuchsspieler der WM 2006 in Deutschland hat im Nationaltrikot aber seit neun Spielen nicht mehr getroffen. Letztmals trug sich Podolski beim 6:2 in der EM-Qualifikation gegen Österreich im vergangenen September in die Torschützenliste ein.

Obwohl Podolski bei Löw offenbar noch über einen Bonus verfügt, spürt der gebürtige Pole auch bei der EURO in seinem Geburtsland und der Ukraine immer stärker den Atem der Konkurrenz im Nacken. Zwar spielte Podolski gegen die Portugiesen über die volle Distanz. Zu sicher darf er sich aber nicht sein, dass er auch gegen die Niederlande am Mittwoch in Charkow (20.45 Uhr/ZDF) von Beginn an spielt und dann am Sonntag gegen Dänemark sein 100. Länderspiel bestreitet.

In André Schürrle, der auf der Position im linken Mittelfeld bei der Nationalelf zuletzt überzeugte, Marco Reus und Mario Götze gibt es gleich drei Kandidaten, die für diese Rolle in Frage kommen. Der Bundestrainer hält sich zu diesem Thema bedeckt, sagt aber auch: "Ich bin immer für eine Überraschung gut." Für Podolski könnte es eine unangenehme werden.