Danzig/Charkow (SID) - Fußball-Nationalspieler Per Mertesacker hat an seiner neuen Rolle als Ersatzspieler schwer zu knabbern. "Das muss ich noch sortieren. Ich wusste, dass es für den Trainer schwierig war, bei so einem guten Kader diese Entscheidung zu fällen. Ich habe gemerkt, dass es ihm schwergefallen ist, mir das zu sagen. Ich muss diese für mich neue Rolle jetzt so schnell wie möglich annehmen", sagte der 27-Jährige im Interview mit dem Weser-Kurier.

Damit habe er "nicht gerechnet. Man hat in der Vorbereitung alles gegeben, um zu spielen, glaubt auch, dass man spielt. Die Überraschung war deshalb da, klar", führte der 81-malige Nationalspieler weiter aus.

Mertesacker, bisher immer Stammspieler der DFB-Auswahl, verlor zum EM-Auftakt gegen Portugal (1:0) überraschend seinen Platz an Mats Hummels. Da der Dortmunder eine überragende Leistung ablieferte, wird der England-Legionär vom FC Arsenal auch im zweiten Gruppenspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in Charkow gegen die Niederlande nur Zuschauer sein. Er wisse selbst aus Erfahrung, "dass bei einem Turnier ein gewisser Kern zusammenbleibt, wenn es gut läuft".

Man erkenne sich in so einer Situation aber neu, sagte Mertesacker. Man ertappe sich dabei, "dass man vielleicht mal flucht, dass man vielleicht mal angesäuert ist. Aber das ist für den Grundtenor ja sogar ganz gut, wenn man noch ein Stück motivierter, noch angespannter ist als ohnehin." Es sei aber "wie immer im Leben eine Momentaufnahme. Ich versuche, jetzt das Beste aus dieser Situation herauszuziehen. Jede Entscheidung bringt etwas Positives mit sich. Vielleicht erkenne ich das in dieser Sache später auch."

Ärger wird er auf jeden Fall nicht machen. Vielmehr sei es wichtig, betonte der frühere Bremer, "dass die Mannschaft so gut wie möglich unterstützt wird. Sei es als Wasserträger, sei es als derjenige, der aufmuntert. Es gibt so viele kleine Dinge, die man tun kann. Ohne Missgunst. Das wird der Schlüssel sein". In solchen Situationen zeige sich immer "der wahre Charakter unseres Teams".