New York/Damaskus (dpa) - 15 Monate nach Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime in Syrien scheint eine friedliche Lösung des Konflikts in weite Ferne zu rücken. Die Gewalt eskaliert. Das Regime setzt schwere Waffen ein gegen Aufständische, die offenbar zunehmend besser ausgerüstet sind.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich «tief besorgt über die gefährliche Zunahme der Gewalt in ganz Syrien» und die Gefahr für die Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten geäußert. «Das Blutvergießen und die Kämpfe müssen sofort aufhören», forderte Ban nach Angaben seines Sprechers. Allein am Montag kamen syrischen Aktivisten zufolge landesweit mehr als 100 Menschen ums Leben. Die meisten Todesopfer habe es in der zentralen Provinz Homs, den Städten Al-Haffa und Latakia sowie in Deir as-Saur im Osten des Landes gegeben.

Insgesamt habe die Gewalt mit wechselnder Taktik der Konfliktparteien zugenommen, heißt es in der am Montagabend (Ortszeit) vom Sprecher des UN-Generalsekretärs in New York verbreiteten Erklärung. Die Militäroperationen der Regierung führten dabei zu hohen zivilen Opfern und Menschenrechtsverletzungen. Allerdings beobachte man auch koordinierte Angriffe der Rebellen auf Regierungstruppen und zivile Einrichtungen. Angesichts von Berichten über einen Aufmarsch der Regierungstruppen um Al-Haffa forderte Ban ungehinderten Zugang für die UN-Beobachter zu der Stadt.

Vor dem UN-Generalsekretär hatte bereits der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan seine «ernste Sorge» über den Einsatz schwerer Waffen bei Angriffen der Regierungstruppen auf Rebellenhochburgen und über Berichte von zwischen den Fronten eingeschlossenen Zivilisten geäußert.

Annan, der für die Vereinten Nationen und die Arabische Liga in dem Konflikt vermittelt, rief alle beteiligten Seiten auf, Zivilisten zu schonen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Jüngste Berichte über den Einsatz von Artillerie, Hubschraubern und Panzern in den Städten Al-Haffa und Latakia sowie die Angriffe in der Region Homs seien beunruhigend.

Die bewaffnete Opposition in Syrien setzt inzwischen verstärkt auf eine militärische Lösung des Konflikts. Auch mehren sich die Hinweise darauf, dass die Bewaffnung der Assad-Gegner jetzt deutlich besser ist als noch vor etwa zwei Monaten.

Ein Nachrichtenportal der Aufständischen schrieb unter Berufung auf eine Brigade der Freien Syrischen Armee, in der Provinz Homs hätten Deserteure am Montag mehrere gepanzerte Fahrzeuge der Truppen von Präsident Baschar al-Assad zerstört. Außerdem hätten sich in einem Stützpunkt der Luftwaffe zahlreiche Soldaten und Offiziere den Deserteuren angeschlossen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, am Montag seien in Duma außerhalb von Damaskus zahlreiche «Terroristen» getötet worden. Auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei bei dem Gefecht in Duma ums Leben gekommen. Während eines weiteren Gefechts in der Provinz Latakia seien fünf Polizisten getötet worden. Im Damaszener Viertel Birse hätten die Regimegegner zwei Autos in die Luft gesprengt. Insgesamt drei Fahrzeuginsassen seien dabei ums Leben gekommen.

In Deir al-Saur wurden nach Angaben des syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte kurz vor Mitternacht bei der Explosion eines in einem Auto versteckten Sprengsatzes mindestens fünf Menschen getötet. Viele weitere seien verletzt worden, teilte das in London ansässige Zentrum in der Nacht zum Dienstag mit.