New York/Beirut (dpa) - Soldaten des syrischen Regimes benutzen nach Angaben der Vereinten Nationen Kinder als menschliche Schutzschilde. Kinder würden verstümmelt und getötet, gefoltert und sexuell missbraucht, geht aus in der Nacht zum Dienstag in New York veröffentlichten UN-Bericht hervor.

Täter seien Soldaten des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad, Angehörige von Geheimdiensten und der regimetreuen Schabiha-Miliz.

Kinder zwischen 8 und 13 Jahren würden gewaltsam aus Schulen und Wohnungen geholt und von Regierungstruppen als Schutzschilde eingesetzt, heißt es. Militärs postierten sie etwa direkt an Fenstern von Bussen, die mit Soldaten zu Einsätzen in Dörfern und Städten unterwegs seien. Schulen würden regelmäßig angegriffen, als Militärbasen und Gefängnisse genutzt. Als Gefangene würden Mädchen und Jungen geschlagen, ausgepeitscht und Elektroschocks ausgesetzt.

Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen wurden seit Beginn des Konflikts im März 2011 mindestens 1200 Kinder in Syrien getötet. Die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London sprechen von insgesamt 14 000 Toten.

In dem von der UN-Beauftragten für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, erstellten Bericht werden 52 verschiedene Gruppierungen und Konfliktparteien genannt, die in etlichen Ländern Minderjährige misshandeln, missbrauchen oder gar töten. 32 dieser Gruppierungen werden bereits seit fünf Jahren auf dieser «Liste der Schande» genannt - unter anderem weil sie Kinder rekrutieren, töten, verletzten oder sexueller Gewalt aussetzen.

Erstmals werden mehrere Organisationen genannt, die Schulen oder Krankenhäuser angegriffen haben. Die Liste wird jedes Jahr auf der Basis einer 1998 vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten Resolution zur Verfolgung des Missbrauchs von Kindern in bewaffneten Konflikten zusammengestellt.

«Wir müssen Druck auf diese Gruppierungen ausüben - durch Sanktionen oder andere Aktionen des Sicherheitsrates und durch engere Kooperation mit nationalen und internationalen Gerichten», forderte Coomaraswamy.

Zu Syrien sagte sie: «Die Welt führt auch exakt Buch über Gewalt, die in Syrien gegen Zivilisten verübt wird, und ich bin zuversichtlich, dass diese Verbrechen nicht unbestraft bleiben.»