Sydney (dpa) - 32 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden eines wenige Wochen alten Babys im australischen Outback hat ein Gericht in Darwin einen juristischen Schlussstrich unter den Fall gezogen.

Untersuchungsrichterin Elizabeth Morris urteilte am Dienstag, dass es hinreichende Beweise dafür gebe, dass ein Wildhund die kleine Azaria Chamberlain 1980 während eines Campingurlaubs aus dem Zelt ihrer Eltern geraubt habe. Es sei auch möglich, dass ein solcher Dingo dem Kind die Kleider vom Körper entfernt habe. Damit sei davon auszugehen, dass das Tier den Tod des Babys verursacht habe.

Die blutige Kleidung der neun Wochen alten Azaria war nach ihrem Verschwinden in dem Gebiet um den Uluru - dem Steinmassiv in Zentralaustralien, das früher Ayers Rock hieß - entdeckt worden. Das Baby selbst wurde nie gefunden.

Azarias Mutter Lindy hatte von Anfang an behauptet, dass ein Dingo ihr Kind verschleppt habe, während der Rest der Familie mit anderen Urlaubern bei einem Lagerfeuer gesessen habe. Doch ihre Darstellung wurde angezweifelt, schnell geriet sie selbst in Verdacht. 1982 wurde Lindy Chamberlain schließlich wegen Mordes verurteilt, ihr Mann Michael wegen Beihilfe.

Sechs Jahre später wurden die Urteile aufgehoben, nachdem ein weiteres Kleidungsstück des Kindes in der Nähe eines Dingo-Baus entdeckt worden war und sich vermeintliche Blutspuren im Auto der Eltern als Schalldämpfer-Spray entpuppt hatten.

Der Fall hat auch Hollywood inspiriert: 1988 kam die Verfilmung des Dramas als «A Cry in the Dark» (auch bekannt als «Evil Angels»; deutscher Titel: «Ein Schrei in der Dunkelheit») mit Meryl Streep in die Kinos.