Stuttgart (dpa) - Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker war nach Auffassung der Bundesanwaltschaft nicht unmittelbar als Schützin am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 beteiligt.

Das sagte Bundesanwalt Walter Hemberger am Dienstag bei seinem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. «Es gibt keine belastbaren Hinweise, die auch nur ansatzweise auf eine unmittelbare Täterschaft als Schützin hindeuten könnten.»

Die Beweisaufnahme habe die Frage, wer geschossen hat, nicht beantworten können, sagte Hemberger. Weder gebe es Zeugen, welche die unmittelbaren Täter erkennen konnten, noch gebe es objektiv Beweismittel wie DNA-Spuren, die eine Identifizierung ermöglichen würden. «Wir können uns keinen Tatzeugen herbeizaubern, auch wenn sich einige mehr als zweifelhafte Tatzeugen selbst herbeigezaubert haben.»

Hemberger kritisierte das Verhalten der ehemaligen RAF-Terroristen, die bei ihren Zeugenauftritten die Aussage verweigerten. Man könnte «wenigstens erwarten, dass sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen», sagte Hemberger. Hemberger bezweifelte jedoch, dass die Ex-Terroristen zu einem Schuldeingeständnis in der Lage seien.

Auch Becker habe sich bei ihrer Erklärung vor Gericht «nicht zu einer eindeutigen Stellungnahme durchringen können», sagte Hemberger. «Noch ist es Zeit, sich aus diesem Verharren zu lösen», appellierte er an die Angeklagte.

Die 59-jährige Becker ist angeklagt, als Mittäterin am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Buback beteiligt gewesen zu sein. Die Bundesanwaltschaft ging bei Anklageerhebung von einer maßgeblichen Rolle Beckers bei der Planung des Attentats aus, und deshalb von Mittäterschaft. Nach dem Verlauf der mehr als anderthalb Jahre dauernden Hauptverhandlung erscheinen aber auch eine Verurteilung wegen Beihilfe oder ein Freispruch als möglich.

Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft soll voraussichtlich bis zum frühen Abend dauern. Am Donnerstag und Freitag soll der Sohn des Opfers, Nebenkläger Michael Buback, seine Sicht der Dinge darlegen. Das Gericht will am 6. Juli ein Urteil verkünden.

Pressemitteilung der Bundesanwaltschaft zur Anklageerhebung