Warschau - Auf den Spielfeldern der Fußball-Europameisterschaft gehört die russische Nationalmannschaft bislang zu den positiven Erscheinungen dieser Endrunde. Nach dem 1:1 gegen Co-Gastgeber Polen ist sie auf dem besten Weg ins Viertelfinale. Doch abseits des Rasens präsentieren die russischen Fans die hässliche Fratze des Fußballs. Als Konsequenz reagierte die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit drastischen Strafen: 120.000 Euro muss der russische Verband bereits für das Fehlverhalten seiner Anhänger zahlen - ein Abzug von sechs Punkten bei der anstehenden WM-Qualifikation könnte der nächste Schritt sein. Russland auf Bewährung.

Beim 4:1-Erfolg gegen Tschechien waren die Fans der Russen das erste Mal negativ aufgefallen. Während des Spiels am Freitag hatten sie Feuerwerkskörper auf den Platz geworfen, illegale Flaggen geschwenkt und zudem Ordner im Stadion attackiert. Das letzte Vergehen wurde in der UEFA-Mitteilung zum Strafmaß allerdings ebenso wenig erwähnt wie die angeblichen rassistischen Schmähungen russischer Anhänger gegen den dunkelhäutigen tschechischen Spieler Theodor Gebre Selassie. Die UEFA hatte eine Untersuchung eingeleitet, weil laut Anzeige einer polnischen Anti-Rassismus-Vereinigung Affenlaute zu hören gewesen sein sollen.

Doch damit nicht genug. Am Dienstag kurz vor Beginn des brisanten Gruppenspiels gegen Co-Gastgeber Polen waren die Fans der Sbornaja ebenfalls aufgefallen. Während die russische Nationalhymne gespielt wurde, rollten sie ein riesiges Banner aus, das die halbe Fankurve bedeckte: "This is Russia", stand darauf, und abgebildet war ein furchterregender Krieger. Die UEFA eröffnete wegen "Anzeigen von illegalen Bannern" am Mittwochnachmittag ein Disziplinarverfahren, das auch zwei weitere Vorwürfe untersucht: Missbrauch von Feuerwerkskörpern durch russische Fans sowie das unerlaubte Betreten des Platzes durch einen Anhänger. Dieses Verfahren, so betonte die UEFA, habe aber noch keinen Einfluss auf die Tatsache, dass der zuvor verhängte Punktabzug auf Bewährung ausgesetzt ist.

Doch all die negativen Auftritte am Rande der Spielfelder und Stadien, die am Dienstag in den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans im Vorfeld des Polen-Spiels ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, dürften kaum den Bewährungsauflagen der UEFA entsprechen.