Beirut/Istanbul (dpa) - Das syrische Regime hat die UN-Bewertung der Kämpfe im Land als Bürgerkrieg scharf zurückgewiesen.

UN-Untergeneralsekretär Herve Ladsous - der oberste Friedenshüter der Vereinten Nationen - hatte am Dienstag (Ortszeit) in New York erklärt, der Konflikt sei nach 15 Monaten zum Bürgerkrieg eskaliert. Damaskus reagierte erbost und verlangte «akkurate und objektive» Bewertungen.

Das Außenministerium in Damaskus bekräftigte am Mittwoch zugleich, es betrachte die Einsätze als Kampf gegen den Terrorismus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Unterdessen zogen sich syrische Rebellen nach eigenen Angaben aus der seit mehr als einer Woche heftig umkämpften Ortschaft Al-Haffa zurück. Landesweit gab es am Mittwoch nach Angaben der Opposition wieder mindestens 30 Tote.

Eine größere Gruppe von Zivilisten, darunter auch Verletzte, habe sich mit den Kämpfern in der Nacht aus Al-Haffa (Provinz Latakia) abgesetzt, sagten Vertreter der syrischen Opposition aus dem Gebiet der Nachrichtenagentur dpa. Regierungstruppen hatten den etwa 30 000 Einwohner zählenden Ort seit dem vergangenen Dienstag heftig beschossen und eingekreist. Dabei waren nach Angaben der Opposition auch Hubschrauber, Panzer und Raketen eingesetzt worden.

«Wir haben uns zu einem taktischen Rückzug entschlossen, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden», sagte der syrische Rebellenführer Riad al-Asaad. Al-Haffa liegt knapp 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt im Hinterland der Hafenstadt Latakia. UN-Beobachter wurden nach eigenen Angaben daran gehindert, nach Al-Haffa zu fahren. Sie seien von Unbekannten mit Steinen und Stangen angegriffen worden, teilten die Vereinten Nationen mit.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, Fahrzeuge der UN-Beobachter hätten drei Zivilisten überfahren, die sie stoppen und informieren wollten, wie sie von «bewaffneten Banden terrorisiert» würden. Menschenrechtsbeobachter befürchten neue Massaker in Al-Haffa.

Das Außenministerium betonte: «Syrien erlebt keinen Bürgerkrieg, jedoch einen Kampf zur Beseitigung des Terrorismus, gegen Tötungen, Entführungen und Lösegeldforderungen, Aggression und Explosionen.» Damaskus forderte das Ausland zudem auf, militärische und finanzielle Unterstützung der Rebellen zu beenden.

Syrische Behörden ließen am Mittwoch nach Berichten staatlicher Medien etwa 500 Häftlinge frei, die nicht in «terroristische Aktivitäten» verwickelt seien. Es ist die zweite große Aktion dieser Art in weniger als einem Monat.