München (dpa) - Die Solarindustrie fürchtet nach der Pleiteserie der vergangenen Monate den Verlust von weiteren tausenden Arbeitsplätzen in Deutschland. Zum Beginn der weltgrößten Solarmesse Intersolar am Mittwoch in München zeigte sich die Branche im Stimmungstief.

Billigkonkurrenz aus China und die geplante Kürzung der Fördergelder für Solarstrom in Deutschland vermiesen den Firmen das Geschäft. In einer Umfrage zur Geschäftslage der Photovoltaik äußerten sich die Firmen pessimistischer als je zuvor seit Beginn der Befragung 2005. «Es war noch nie so schlecht», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig bei der Eröffnung der Messe, zu der bis Freitag rund 80 000 Besucher erwartet werden.

In den vergangenen Monaten mussten mehrere Solarhersteller in Deutschland, darunter der frühere Marktführer Q-Cells, unter anderem wegen des extremen Preisdrucks durch Konkurrenz aus China Insolvenz anmelden. «In diesem Jahr steht die Intersolar unter dem Eindruck eines harten internationalen Wettbewerbs», sagte Körnig. Allein in den vergangenen Wochen seien mehr als 10 000 Arbeitsplätze in Deutschland weggefallen.

Zudem verunsichert der monatelange Streit um die Kürzung der Solarförderung in Deutschland Hersteller und Kunden. In Berlin wollte der Vermittlungsausschuss am Mittwochabend zusammenkommen, um über einen Kompromiss zu beraten. «Ein weiterer kraftvoller Ausbau der Sonnenenergie ist für das Gelingen der Energiewende unverzichtbar», sagte Körnig und warnte vor drastischen Kürzungen.

Der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) forderte eine schnelle Entscheidung über die Förderung der Photovoltaik. «Es muss Schluss sein mit der aktuellen Hängepartie und Planungsunsicherheit», sagte er. «Wir wollen übermäßige Preissteigerungen für die Verbraucher stoppen und gleichzeitig den planmäßigen Ausbau der Photovoltaik sichern.»

Auf der Intersolar ist die Krise der Branche deutlich zu spüren: Die Zahl der Aussteller ging nach einem jahrelangen Boom erstmals um mehr als 300 auf rund 1900 Firmen zurück. Seit Anfang des Jahres gab es nach Angaben der Veranstalter zahlreiche Stornierungen. Betroffen sind aber nicht nur deutsche Firmen: Auch im Ausland sorgen politische Diskussionen über die Förderhöhe der Solarenergie für Unsicherheit.

Ohne Unterstützung kann die Branche nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft noch nicht überleben. «Noch ist Solartechnik für einige Jahre stark auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen, die nicht immer gegeben sind», sagte Körnig. Einen wichtigen Meilenstein habe die Solarenergie aber bereits erreicht: Solarstrom vom eigenen Hausdach sei dank stark gesunkener Preise der Solartechnik inzwischen bereits billiger als konventioneller Strom.

Immer mehr Haushalten setzen auf Solarenergie: Seit den Beschlüssen zur Energiewende vor einem Jahr seien rund 400 000 Solaranlagen in Deutschland neu installiert worden. «Es geht weiter aufwärts, die Nachfrage steigt», sagte Körnig. Insgesamt leben demnach bereits sieben Millionen Menschen in Gebäuden, die Strom oder Wärme mit Solarenergie erzeugen.

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