Druck auf Italien steigt weiter - Monti wehrt sich

Rom/Frankfurt/Main (dpa) - Die Luft wird dünner: Selbst kurzfristig Geld zu leihen, wird für Italien immer teurer. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangten Investoren am Mittwoch Zinsen in Höhe von 3,97 Prozent, wie aus Angaben der italienischen Schuldenagentur in Rom hervorgeht. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 11. Mai waren es noch 2,34 Prozent. Ein Lichtblick: Das Maximalziel von 6,5 Milliarden Euro wurde erreicht, die Nachfrage war mehr als ausreichend. Die nächste Nagelprobe steht bereits an diesem Donnerstag an, wenn längerlaufende Anleihen versteigert werden sollen. Das Land selbst wehrt sich indes mit Händen und Füßen gegen das Image als Krisenkandidat: Ministerpräsident Mario Monti sagte dem ARD-Hörfunk in Rom, das Land habe zwar hohe Staatsschulden, aber inzwischen eine viel solidere Haushaltspolitik.

Atomkonzerne fordern Schadenersatz in zweistelliger Milliardenhöhe

Berlin (dpa) - Die Energiekonzerne fordern von der Bundesregierung mindestens zehn Milliarden Euro Schadenersatz für die zwangsweise Stilllegung ihrer Atomkraftwerke - und es könnte noch deutlich mehr werden. Allein die Forderungen von RWE und Eon belaufen sich auf rund zehn Milliarden Euro, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Konzernkreisen. Unklar ist bisher, wie viel der schwedische Konzern Vattenfall für das Abschalten seiner Meiler Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein geltend machen will. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) sprach von Gesamtforderungen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro.

Inflation sinkt erstmals seit 2010 unter zwei Prozent

Wiesbaden (dpa) - Der nachlassende Preisdruck bei Sprit und Heizöl hat die Inflationsrate im Mai erstmals seit knapp eineinhalb Jahren wieder unter die Marke von zwei Prozent gedrückt. Die Jahresteuerung ging von 2,1 Prozent im April auf 1,9 Prozent zurück, berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden und bestätigte damit vorläufige Schätzungen. Ein noch niedrigerer Wert wurde nach den Angaben zuletzt im Dezember 2010 ermittelt. Damals hatten sich die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 1,7 Prozent erhöht. Die Europäischen Zentralbank (EZB) strebt einen Wert von knapp unter 2 Prozent an, bei dem sie die Preisstabilität gewahrt sieht. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Verbraucherpreise im Mai um 0,2 Prozent. Die Statistiker begründeten dies in erster Linie mit dem Preisrückgang bei Energie um 1,5 Prozent.

Zeitung: NRW und Sparkassen sollen WestLB-Risiken tragen

Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Bei den Krisengesprächen über den Verkauf des WestLB-Sparkassengeschäfts an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) bahnt sich eine Einigung an. In Verhandlungen mit der Helaba sei es gelungen, den Streit über ein verlustträchtiges Derivatepaket auszuräumen, erfuhr die dpa am Mittwoch aus Eigentümerkreisen. Nach Informationen der Tageszeitung «Die Welt» zeichnet sich ein Modell ab, bei dem die nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände 150 Millionen Euro des Verlustrisikos übernehmen würden. Weitere 80 Millionen Euro sollen demnach von der WestLB-Nachfolgegesellschaft Portigon getragen werden, hinter der das Land steht. Einige noch offene Punkte müssten allerdings abschließend noch geklärt werden, berichtete das Blatt.

Solarindustrie im Stimmungstief - Intersolar mit Ausstellerrückgang

München (dpa) - Die Solarindustrie fürchtet nach der Pleiteserie der vergangenen Monate den Verlust von weiteren tausenden Arbeitsplätzen in Deutschland. Zum Beginn der weltgrößten Solarmesse Intersolar am Mittwoch in München zeigte sich die Branche im Stimmungstief: Billigkonkurrenz aus China und die geplante Kürzung der Fördergelder für Solarstrom in Deutschland vermiesen den Firmen das Geschäft. In einer Umfrage zur Geschäftslage der Photovoltaik äußerten sich die Firmen pessimistischer als je zuvor seit Beginn der Befragung 2005. «Es war noch nie so schlecht», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig bei der Eröffnung der Messe, zu der bis Freitag rund 80 000 Besucher erwartet werden.

EU eröffnet Kartellverfahren gegen Bahn wegen Strompreis

Brüssel/Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn stellt nach Ansicht der EU-Kommission ihren Konkurrenten womöglich zu hohe Preise für Bahnstrom in Rechnung. Die obersten Wettbewerbshüter Europas haben deshalb ein Kartellverfahren gegen die Deutsche Bahn AG und mehrere ihrer Tochtergesellschaften eingeleitet. «Wir untersuchen, ob sie sich an einem wettbewerbswidrigen Preissystem für Bahnstrom beteiligt haben», sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch in Brüssel. Druck macht auch die Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde fordert den Marktführer Bahn auf, die Zusammensetzung der Trassenpreise offenzulegen. Eine entsprechende schriftliche Aufforderung ist dem bundeseigenen Konzern nach Informationen des «Handelsblatts» (Mittwoch) Ende Mai zugegangen.

Das Internet wächst: 1930 Bewerber für neue Adress-Endungen

London (dpa) - Ob .volkswagen, .hamburg oder .hotel: Die Netz- Verwaltung ICANN will neue Endungen für Internet-Adressen zulassen. 1930 Bewerbungen für Top Level Domains seien eingegangen, sagte ICANN-Chef Rod Beckstrom am Mittwoch in London - diese würden nun geprüft. Auch deutsche Unternehmen wollen sich ihren eigenen Platz im Netz sichern, darunter Volkswagen, Lidl und NetCologne. Zudem wollen Berlin, Hamburg und Bayern eine eigene Endung. Innerhalb eines Jahres könnten bis zu 1000 neue Endungen online verfügbar sein, sagte Beckstrom. Es sei ein «historischer Tag»: «Das Internet wird sich für immer verändern.»

Dax nach Auf und Ab schwächer - Nervosität vor Wahl der Griechen

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Mittwoch nach einem nervösen Auf und Ab Verluste verbucht. Die hohe Unsicherheit über den Ausgang der bevorstehenden Wahl in Griechenland sowie die weiteren kaum überschaubaren Probleme der angeschlagenen Eurostaaten belasteten den deutschen Leitindex. Bis zum Nachmittag sank er um 0,87 Prozent auf 6108 Punkte. Der MDax verlor 1,30 Prozent auf 9914 Punkte. Der TecDax büßte 0,71 Prozent auf 732 Punkte ein. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2534 (Dienstag: 1,2492) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7978 (0,8005) Euro.