Berlin (SID) - Im Streit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) um den "Fall Erfurt" hat das Bundesinnenministerium der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) Rückendeckung gegeben und WADA-Generaldirektor David Howman scharf kritisiert. "Eine Situation, die ich nur als Versagen beschreiben kann", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Bergner rügte, dass Howman sich zunächst an die Presse gewandt hatte. "Wir hätten erwartet, dass sein erster Ansprechpartner die NADA ist, zumal sie gezielte Fragen gestellt hat", sagte der CDU-Politiker und kündigte Konsequenzen an: "Wir werden jetzt in der Europäischen Union und im Europarat ein bisschen kritischer, auch im Sinne einer Effizienzerwartung, auf die Arbeitsweise der WADA blicken müssen." Die Bundesregierung trägt zum Etat der WADA von rund 20 Millionen knapp 590.000 Euro bei.

Streitpunkt ist die Blutbehandlung von Athleten durch den Erfurter Medizinier Andreas Franke. Die WADA hatte am 26. April zunächst erklärt, dass die Behandlung am Olympiastützpunkt Erfurt vor 2011 erlaubt gewesen sei. Am 31. Mai hatte Howman der NADA in einem Brief mitgeteilt, diese Entscheidung sei zurückgenommen, denn die NADA habe zur Klärung des Falles wichtige Informationen nicht an die WADA weitergegeben. Aus seiner Sicht sei die Methode schon vor 2011 verboten gewesen.

Bergner meinte zu dem Wirrwarr: "Die NADA hat die WADA mehrfach und umfassend über die in Erfurt praktizierte Methode informiert sowie die Frage nach deren Verbot gestellt. Der Brief der WADA, in dem es heißt, was vor dem 1. Januar 2011 war, könne nicht als Verstoß betrachtet werden, leuchtet mir durchaus ein", sagte der 63-Jährige und fügte polemisch an: "Es ist unerträglich, dass dieses Votum nun allein durch Interviews des Generaldirektors in Frage gestellt wird."

Der CDU-Politiker sprach der NADA indes sein Vertrauen aus. "Es wäre bedauerlich, wenn ein so offenkundiger Fehler der WADA zu einem Vertrauensverlust der NADA führen würde." Bergner kritisierte die schwache Führung der WADA durch den Neuseeländer John Fahey. "Nach meinem ganz persönlichen Eindruck ist Howman mehr als unter dem früheren Präsidenten Dick Pound derjenige, der die entscheidenden Weichen stellt."