Frankfurt/Main (dpa) - Die Realität der Schuldenkrise hat die Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland am Montag schnell wieder eingeholt.

Hatte der Dax den Wahlsieg der Euro-Befürworter im frühen Handel noch mit einem Sprung auf 6316 Punkte gefeiert, schmolzen die Gewinne bis zum Nachmittag auf plus 0,65 Prozent und 6270 Punkte. Zeitweise rutschte der deutsche Leitindex sogar minimal ins Minus. Für den MDax blieb ein Zuwachs von 1,08 Prozent auf 10 155 Punkte, der TecDax verbesserte sich um 0,84 Prozent auf 733 Punkte.

Der Markt gebe ein ähnliches Bild ab wie in der vergangenen Woche, nachdem die Wirkung eines Milliardenkredits für den spanischen Bankensektor ebenfalls schnell verpufft war, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. «Sobald eine Sache abgehakt wird, schwenkt der Fokus sofort auf die nächsten Probleme. So erinnert der Markt daran, dass weiterhin viele Unsicherheiten bestehen und noch immer keine umfangreiche Lösung für die europäische Finanzkrise gefunden worden ist.»

Das politische Europa wie auch die asiatischen Börsen begrüßten zwar den Wahlsieg der Nea Dimokratia - einige Experten blieben jedoch skeptisch. Zusammen mit der sozialistischen Pasok-Partei würden die Konservativen über eine Mehrheit im Parlament verfügen. Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos schlug allerdings die Bildung einer möglichst breiten Regierung aus Konservativen, Sozialisten, radikalen sowie gemäßigten Linken vor. Alexis Tsipras, Chef der Radikallinken, lehnte eine Koalition inzwischen jedoch ab und möchte in die Opposition.

Die Berenberg Bank befürchtete bereits weitere Turbulenzen bei der Regierungsbildung, und auch die Helaba sieht keine Wende in der Schuldenkrise. «Beendet ist das Drama um Griechenland damit natürlich noch lange nicht», schrieb Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Auch der Euro ging nach dem anfänglichen Sprung auf den höchsten Stand seit Ende Mai wieder auf Tauchkurs - belastet von neuerlicher Schwäche an den Anleihemärkten in Spanien und Italien. In Spanien kletterte die Rendite zehnjähriger Anleihen auf ein neues Rekordhoch.

Bei nur wenigen Unternehmensnachrichten gehörten die Papiere von ThyssenKrupp mit plus 2,50 Prozent zu den Favoriten. Der brasilianische Stahlkonzern CSN will möglicherweise das hochdefizitäre Stahlwerk in Brasilien übernehmen. Auch der Rohstoffkonzern Vale soll Interesse an der Anlage haben. Die Anlage in Brasilien hat sich gemeinsam mit einem ebenfalls neu eröffneten Werk in den USA als Milliardengrab erwiesen. Für den Standort im US-Bundesstaat Alabama interessiert sich laut «Wirtschaftswoche» der südkoreanische Stahlkonzern Posco. Gestützt durch eine positiv aufgenommene Studie der UBS setzte sich Infineon mit einem Aufschlag von 3,08 Prozent an die Dax-Spitze.

Anfangs gesuchte Bankentitel rutschten dagegen ins Minus - allen voran Papiere der Commerzbank mit einem Abschlag von 4,01 Prozent. Rheinmetall-Aktien kletterten in Erwartung eines Panzer-Großauftrags mit plus 7,84 Prozent an die MDax-Spitze. Saudi-Arabien will laut «Bild am Sonntag» noch viel mehr deutsche Kampfpanzer kaufen als bisher bekannt - statt 200 bis 300 Leopard 2 wünsche sich Riad nun 600 bis 800. Mit einem Schätzwert von zehn Milliarden Euro wäre das einer der bisher größten Rüstungsaufträge für die Bundesrepublik, berichtet die Zeitung.

Am Rentenmarkt brach die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,22 Prozent am Freitag auf 1,14 Prozent ein. Der Rentenindex Rex stieg entsprechend deutlich um 0,26 Prozent auf 133,79 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,61 Prozent auf 142,93 Punkte. Der Kurs des Euro stieg ebenfalls. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2618 (Freitag: 1,2596) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7925 (0,7939) Euro.