Los Cabos (dpa) - Erstmals seit seiner erneuten Amtsübernahme ist Russlands Präsident Wladimir Putin am Montag im mexikanischen Los Cabos mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen.

Im Mittelpunkt des Gesprächs vor Beginn des Gipfels der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) standen nach US-Angaben die Eskalation in Syrien sowie der Streit um das iranische Atomprogramm. Offen spricht das Weiße Haus von «Differenzen» über ein schärferes Vorgehen gegen den umstrittenen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Das Verhältnis von Obama und Putin gilt als angespannt. Vor einem Monat hatte der Kreml-Chef dem US-Präsidenten beim G8-Gipfel in den USA noch die kalte Schulter gezeigt. Er schickte Regierungschef Dmitri Medwedew, der besser mit Obama kann, und reiste zu seiner ersten großen Auslandsreise lieber nach China. Der G20-Gipfel ist Putins Rückkehr auf die internationale Bühne.

Als Veto-Macht im Weltsicherheitsrat ist Russland wie China entscheidend, um ein härteres Vorgehen der Weltgemeinschaft gegen das syrische Regime zu vereinbaren. Bislang haben beide Staaten aber Strafmaßnahmen verhindert, wobei sich China etwas hinter Russland versteckt, das stärkere Eigeninteressen in Syrien verfolgt.

Zum Schutz seiner Marinebasis in der syrischen Hafenstadt Tartus verlegte Russland zwei schwere Kriegsschiffe ins Mittelmeer. An Bord sind auch Marineinfanteristen. Russland befürchtet wegen des blutigen Konflikts den Verlust seines Stützpunktes. Angesichts der Eskalation nannte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, den Beschuss bewohnter Gebiete durch syrische Regierungstruppen «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» und möglicherweise auch «Kriegsverbrechen».

Auf dem G20-Gipfel, der von der europäischen Schuldenkrise dominiert wird, ist Russland an einem entschlossenen Vorgehen der stärksten Volkswirtschaften gegen die europäische Schuldenkrise interessiert. Es hat 40 Prozent seiner Währungsreserven - die drittgrößten der Welt - in Euro angelegt. Auch forderte Putin eine Abkehr vom wachsenden Protektionismus im Welthandel und warf anderen Nationen Heuchlerei vor.

«Es ist allerhöchste Zeit, damit aufzuhören, den Scheinheiligen zu spielen, und sich ehrlich auf ein akzeptables Niveau protektionistischer Maßnahmen zu einigen, um angesichts der globalen Krise Arbeitsplätze zu sichern», schrieb Putin in der mexikanischen Zeitung «El Universal». Der Rückgang im Welthandel sei in vielerlei Hinsicht dadurch ausgelöst, dass trotz aller Versicherungen einige Länder «scharfen Protektionismus einsetzen, um ihre Märkte zu verteidigen».

Am Morgen war Putin zunächst mit den Staats- und Regierungschefs der Brics-Staaten zusammengetroffen, zu denen neben Russland auch China, Indien, Brasilien und Südafrika gehören. Auf dem Programm des russischen Präsidenten in Los Cabos stand am Montag auch ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

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