Los Cabos (dpa) - Hoffnungsschimmer für Griechenland, aber keine Entwarnung für das globale Finanzsystem: Der G20-Gipfel muss am heutigen Montag dringend eine Strategie der führenden Volkswirtschaften der Erde (G20) gegen die Euro-Schuldenkrise und die Gefahren für die Weltwirtschaft aufzeigen.

Die Staats- und Regierungschef der Gruppe der 20 treffen sich im mexikanischen Badeort Los Cabos. Bundeskanzlerin Angela Merkel war in der Nacht mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf dem Weg zu dem zweitägigen Treffen an der Pazifikküste.

Das Ergebnis der Griechenland-Neuwahlen am Sonntag sorgte für Entspannung in der Gipfelrunde. Die Europäische Union zeigte sich erleichtert. «Wir begrüßen heute den Mut und die Ausdauer der griechischen Bürger», erklärten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. «Wir werden weiter zu Griechenland als Mitglied der EU-Familie und der Eurozone stehen.»

Die eigentlichen Probleme der Euro-Schuldenkrise bleiben jedoch weiter ungelöst. Sie werden den Gipfel in Mexiko bestimmen. Die bis zu 100 Milliarden Euro teure Rettungsaktion für Spaniens Banken, die Rezession in Italien, Misstrauen und Unsicherheit bei Banken und Unternehmen bedrohen die Weltwirtschaft insgesamt.

Weltbank-Chef Robert Zoellick forderte, von dem Gipfel müsse eine klare Botschaft ausgehen. Das Treffen finde zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt. «Wir warten darauf, dass Europa sagt, was zu tun ist», sagte er.

Während Länder wie die USA und Frankreich beim Gipfel weiter auf staatliche Impulse für mehr Wachstum drängen werden, sperrt sich Deutschland gegen neue milliardenschwere Konjunkturprogramme auf Pump. Das hatte die Bundeskanzlerin in der vergangenen Woche wiederholt deutlich gemacht und auf zudem gewarnt, dass Deutschlands Belastbarkeit an Grenzen stößt. Diplomaten erwarteten deshalb durchaus kontroverse Debatten.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao machte sich dafür stark, die Europäer in der Schuldenkrise zu unterstützen. Der G20-Gipfel müsse «ein Signal der Zuversicht an die Märkte» senden, sagte Hu Jintao der mexikanischen Zeitung «Reforma». Er zeigte sich nicht ganz so pessimistisch für die Weltwirtschaft: «Die Aussichten für Wirtschaftswachstum haben sich etwas verbessert.» Aber es gebe weiter akute Unsicherheiten. «Die gesamte globale Nachfrage bleibt schwach.»

Chinas Präsident trifft am Montag mit der Kanzlerin zusammen. Merkel wollte die Gelegenheit auch nutzen, sich zu Einzelgesprächen mit Obama und Mexikos Präsident und Gastgeber Felipe Calderón zu treffen.

Neben der Euro-Schuldenkrise wird vor allem die Lage in Syrien eine wichtige Rolle auf dem Gipfel spielen. Erstmals seit der erneuten Machtübernahme kommt Russlands Präsident Wladimir Putin zu einer großen internationalen Konferenz. US-Präsident Barack Obama und Putin, deren Verhältnis angespannt ist, wollten über Syrien und den Iran beraten.

Russland kommt wie China eine Schlüsselrolle im Syrien-Konflikt zu. Beide haben ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und lehnen einen Regimewechsel in Damaskus ab. Inzwischen haben die UN ihre Syrien-Beobachtermission wegen der Gewalt vorerst ausgesetzt.

Der G20 endet am Dienstagnachmittag (Ortszeit).