Kairo (dpa) - Nach der Präsidentenwahl in Ägypten geht der Machtkampf zwischen den Militärs und den Islamisten in eine neue Runde. Die Muslimbrüder feierten ihren Kandidaten, Mohammed Mursi, am Montag schon vor Auszählung aller Stimmen als Sieger.

Der Oberste Militärrat, der nach dem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak im vergangenen Jahr die Kontrolle übernommen hatte, konterte mit einer Verfassungserklärung, die dem Präsidenten deutlich weniger Macht zubilligt als bisher.

Das Wahlkampfteam von Ahmed Schafik, der von Mubarak noch wenige Tage vor dessen Entmachtung zum Regierungschef ernannt worden war, meldete unterdessen Zweifel am Wahlsieg Mursis an. Solange die Stimmen in Kairo nicht ausgezählt seien, könne von einem Sieg nicht die Rede sein, erklärten sie nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Dschasira.

Die Muslimbrüder hatten zuvor mitgeteilt, ihr Kandidat habe bei der Stichwahl am Wochenende rund 52 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Für Schafik hätten etwa 48 Prozent der Wähler gestimmt. Das offizielle Wahlergebnis soll Mitte der Woche veröffentlicht werden.

Die Militärs legten in ihrer Verfassungserklärung derweil fest, dass der Präsident künftig nur noch nach Abstimmung mit dem Obersten Militärrat den Krieg erklären darf. Außerdem sollen die Generäle über die Belange des Militärs weitgehend autonom entscheiden.

Der Militärrat behält sich zudem vor, selbst eine Komitee zu ernennen, das die neue Verfassung ausarbeitet, falls die Parteien und Nichtregierungsorganisationen nicht binnen einer Woche ein Verfassungskomitee bilden sollten, das alle relevanten Gruppierungen umfasst. Die Verfassung soll anschließend zur Volksabstimmung vorgelegt werden. Erst dann wird ein neues Parlament gewählt.