Donezk (SID) - Die gallischen Streithähne wollen am 40. Geburtstag ihres Idols Zinedine Zidane die Herrschaft Spaniens über den Weltfußball beenden. Das wird nicht einfach werden: Seit dem Rücktritt von "Zizou" hat Frankreich bei keinem Turnier mehr das Halbfinale erreicht. Andererseits: Die letzte Mannschaft, die Spanien bei einem großen Turnier besiegt hat, war die französische, 2006, im Achtelfinale der WM in Deutschland - mit Zidane.

Zidanes einstiger Mitstreiter, Nationalcoach Laurent Blanc, muss sich vor dem Spiel zwischen den beiden Fußball-Großmächten am Samstag (20.45 Uhr/ARD) im EM-Quartier nahe dem Spielort Donezk erst mal um eine Beruhigung der erhitzten Gemüter bemühen: Nach dem 0:2 gegen Schweden hatte es in der Kabine geknallt, der frustrierte Hatem Ben Arfa bot seine Heimreise an. "Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen ihre Hochspannung auf dem Platz entladen", berichtete Blanc (46), wohlwissend um seine hochexplosive Ansammlung von Egozentrikern.

Historisch betrachtet sieht es allerdings nicht gut aus für Zidanes Erben. Von ihren elf EM-Spielen, die Les Bleus ohne die beiden Strategen "Zizou" und Michel Platini bestritten, gewannen sie nur eines: Das Gruppenspiel gegen die Ukraine vergangenen Samstag gegen den mittlerweile ausgeschiedenen EM-Gastgeber Ukraine (2:0).

Die Spanier sind noch auf einem guten Wege, als erste das Triple aus EM-, WM- und dem EM-Sieg zu schaffen - ihnen droht aber auch das Ende ihrer Ära. Der Welt- und Europameister lässt sich durch die Missstimmung bei den Franzosen allerdings nicht blenden. "Wenn sie auf dem Platz stehen, spielt der Kabinenkrach keine Rolle mehr", glaubt Abwehrspieler Juanfran, dem womöglich eine besondere Aufgabe zugeteilt wird: Er müsste auf der rechten Abwehrseite der Spanier anstelle von Alvaro Arbeloa den Münchner Franck Ribéry stoppen.

"Ribery hat so viel Qualität, dass er jederzeit ein Tor machen oder eine Chance herausspielen kann. Er ist wahrscheinlich der wichtigste Spieler der Franzosen. Ihn zu kontrollieren, wird äußerst wichtig sein. Hoffentlich hat er einen schlechten Tag", sagte Juanfran. "Ribéry ist schnell und dribbelstark. Er ist einer der Schlüsselspieler", sagte Coach Vicente del Bosque.

Der 61 Jahre alte Trainerfuchs weiß um die Stärken seiner Mannschaft, er warnt aber auch: "Es ist eine spanische Gewohnheit, den Gegner nicht zu schätzen." Will heißen: Der Spanier neigt schon mal dazu, den Gegner zu unterschätzen. Und das, sagt del Bosque, sei das Problem bei der Niederlage vor sechs Jahren in Hannover gewesen.

Spaniens Nationaltrainer hat die Bilder noch vor Augen: Man habe die Franzosen damals unterschätzt, weil sie angeblich so alt waren, berichtete del Bosque. Das werde nicht noch einmal passieren. Die aktuelle Mannschaft des Kollegen Blanc habe "im Mittelfeld eine enorme Qualität. Ben Arfa oder Malouda, Nasri, Ribéry, Menez, vorne Benzema. Frankreich ist eine sehr starke Mannschaft, die weiß, wie man Titel gewinnt. Sie sind zäh - aber das ist Spanien auch."

Vor dem großen Spiel, das die Franzosen laut Abwehrspieler Laurent Koscielny zu einem "unvergesslichen" machen wollen, denkt del Bosque auch an die Fans in seinem von wirtschaftlichen Problemen gebeutelten Land. "Ich glaube, wir können für einen Lichtblick in schweren Zeiten für unsere Bevölkerung sorgen", wird er in der großen Sportzeitung Marca zitiert. "Aber die Probleme lösen können wir nicht." Dennoch wisse die Mannschaft, wie sehr die Menschen daheim eine Niederlage am Samstag treffen würde, sagt del Bosque, und "deshalb wäre das inakzeptabel." Es wäre auch das Ende einer großen Ära.