Bonn (dpa) - Doping-Anschuldigungen gegen einen Professor aus Saarbrücken werfen erneut Schatten auf einen deutschen Olympiastützpunkt. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat in dem Fall bereits Untersuchungen eingeleitet.

«Die Task Force der NADA beschäftigt sich mit der Angelegenheit», bestätigte NADA-Sprecher Berthold Mertes am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks ist die Schwerpunktstaatsanwalt München bei den Ermittlungen gegen illegale Doping-Labore angeblich auch auf die Spur des Professors gestoßen. Er soll von dem inzwischen verurteilten Dealer mit Doping-Mitteln beliefert worden sein.

Der Professor soll an der Hochschule für Gesundheitsmanagement in Saarbrücken arbeiten und hat als freier Referent Bundeskaderathleten am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland (OSP) in Ernährungsfragen beraten haben. Gegen ihn soll nun auch die Staatsanwaltschaft München ermitteln. Stützpunktleiter Steffen Oberst hatte die Tätigkeit des Professors am Olympiastützpunkt bestätigt. Die Zusammenarbeit sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe am 8. Juni beendet worden. Seit 2009 sei er für den Olympiastützpunkt tätig gewesen.

«Wir sind von den Vorwürfen gegen einen Mitarbeiter am OSP Rheinland-Pfalz/Saarland informiert worden», erklärte Christian Klaue, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). «Wir begrüßen den konsequenten Schritt des OSP, die Zusammenarbeit mit dem auf Honorarbasis im Bereich der Ernährungsberatung tätigen Mitarbeiter umgehend zu beenden und die NADA einzuschalten.»

Der DOSB hoffe nun, dass die NADA schnellstmöglich Einsicht in die Ermittlungsakten erhält, um gegebenenfalls sportrechtliche Schritte einleiten zu können. Zum jetzigen Zeitpunkt sei unklar, ob Athleten gegen den NADA-Code beziehungsweise den Code der Weltagentur WADA verstoßen haben. Vom OSP werden derzeit 24 A-Kaderathleten und knapp 250 B-,C- und D-/C-Kadersportler betreut.

«Sollte sich herausstellen, das dies der Fall war, gehen wir davon aus, dass die NADA entsprechende Sanktionen einleitet», hieß es in der DOSB-Mitteilung. Der Fall sei ein weiterer Beleg dafür, dass es eine enge Kooperation zwischen staatlichen Ermittlungsbehörden und dem Sport brauche, um Doping wirksam zu bekämpfen.

Seit Monaten sorgt bereits die Erfurter Blutmanipulations-Affäre für Unruhe. Im Fall Erfurt geht es um die umstrittene UV-Bestrahlung von Blut, die rund 30 Athleten vom Sportmedizinern Andreas Franke erhalten haben. Der Arzt war als Honorarkraft am Olympiastützpunkt Thüringen tätig gewesen.