Vatikan-Stadt (SID) - König Fußball lässt offenbar selbst Papst Benedikt XVI. nicht kalt: Nach Informationen aus dem Vatikan wird nicht ausgeschlossen, dass der Pontifex und sein bayerischer Privatsekretär, Bischof Georg Gänswein, das EM-Halbfinalspiel Deutschland-Italien am Donnerstag in Warschau im Fernsehen verfolgen werden. "Sport vereint und vermittelt Botschaften der Brüderlichkeit", sagte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi.

Schon Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. galt als großer Fußball-Fan, der bei wichtigen WM- oder Europacup-Spielen wenn möglich via TV zusah, zumal er in seiner Jugend in der Mannschaft seines polnischen Geburtsortes Wladowice im Tor gestanden hatte. Benedikt XVI. hatte nach Vatikan-Angaben das WM-Halbfinale Deutschland-Italien 2006 mit den engsten Mitarbeitern in seinen päpstlichen Räumlichkeiten verfolgt.

Im Vatikan ist Deutschland unter den Kurienmitgliedern und Funktionären stark vertreten. In der deutschen Abteilung von Radio Vatikan arbeiten vier deutsche Journalisten. "Wir werden bestimmt das Spiel verfolgen", heißt es in der deutschen Redaktion von Radio Vatikan.

Besuche prominenter Fußballer im Vatikan sind keine Seltenheit. Der deutsche Nationalspieler Miroslav Klose, der für den römischen Erstligisten Lazio Rom kickt, hatte im März Benedikt XVI. am Ende einer Generalaudienz auf dem Petersplatz getroffen. Der gläubige Katholik Klose, in Polen geboren, hatte um das Treffen mit dem Papst gebeten, der Vatikan hatte sich eingesetzt, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

Benedikt XVI. hat sich schon mehrmals wohlwollend zum Thema Fußball geäußert. Vor Beginn der Europameisterschaft hob der Papst in einem Brief an die polnischen Bischöfe die soziale Verantwortung des Sports hervor. Den Fußball bezeichnete das Oberhaupt der katholischen Kirche als eine "Schule für die Achtung vor anderen, auch vor sportlichen Gegnern, sowie für das persönliche Opfer zum Wohl der Gruppe". Beim Sport könnten die Talente jedes Spielers wahrgenommen werden, heißt es in dem an den Präsidenten der polnischen Bischofskonferenz, Jozef Michalik, adressierten Brief.

"Fußball hilft, sich über die Logik des Individualismus und Egoismus, die oft das menschliche Miteinander prägen, zu einer Logik der Brüderlichkeit und Liebe zu erheben, die es erlaubt, auf jeder Ebene eine Gemeinschaft aufzubauen, die das Wohlergehen all ihrer Mitglieder fördert", schrieb der Papst.