Frankfurt/Main (dpa) - Dank gut aufgenommener europäischer Konjunkturdaten und Hoffnungen auf Zinssenkungen hat der deutsche Aktienmarkt zum Wochenauftakt weiter zugelegt. Uneinheitliche Signale von der US-Wirtschaft konnten die Stimmung am Montag nicht nachhaltig trüben.

Der Dax schloss 1,24 Prozent fester bei 6496,08 Punkten. Damit knüpfte der Leitindex an die deutlichen Gewinne vom Freitag an und ging auf dem höchsten Stand seit Mitte Mai aus dem Handel. Der MDax legte zum Wochenauftakt um 1,07 Prozent auf 10 454,46 Punkte zu, der TecDax gewann 1,75 Prozent auf 756,78 Punkte.

Die Industriestimmung im Euroraum hatte im Juni überraschend stagniert und war nicht wie befürchtet zurückgegangen. Trotz der positiven Überraschung lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie aber so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr. Am Nachmittag standen enttäuschenden US-Industriedaten stärker als erwartet gestiegene Bauausgaben gegenüber.

«Die Investoren spielen derzeit die EZB-Karte», sagte Marktexperte Lars Kremkow von Activtrades mit Blick auf den am Donnerstag anstehenden Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Mit dem politischem Rückenwind des jüngsten EU-Gipfels sieht er «Raum für einen kleinen Zwischenspurt». Etliche Experten setzen darauf, dass die Währungshüter den Leitzins senken werden, warnen aber vor einem entsprechenden Enttäuschungspotenzial. «Die Stimmungslage ist immer noch von Anspannung geprägt», sagte Kremkow. Darüber könne auch die zuletzt gute Entwicklung des Dax nicht hinwegtäuschen.

Wie schon am Freitag standen auch zum Wochenauftakt die Bankentitel im Mittelpunkt des Kaufinteresses. Sie profitierten indirekt von der auf dem EU-Gipfel beschlossenen Schaffung einer unabhängigen gemeinsamen Bankenaufsicht. Diese gilt als Voraussetzung dafür, dass sich marode Banken künftig direkt aus Mitteln der Rettungsfonds rekapitalisieren können. Deutsche Bank und Commerzbank verteuerten sich um 1,79 respektive 2,54 Prozent. Aareal Bank waren mit plus sieben Prozent MDax-Spitzenreiter.

Schlusslicht im Dax waren indes die Aktien von Linde, die um 1,67 Prozent nachgaben. Ein unerwartet hohes Kaufgebot des Industriegasekonzerns für den US-Sauerstoffgeräte-Hersteller Lincare lastete Händlern zufolge auf dem Kurs. Nach der zunächst gescheiterten Übernahme durch den Medizinkonzern Fresenius sackten die Titel von Rhön-Klinikum am MDax-Ende um knapp neun Prozent ab. Fresenius hatte eingeräumt, das Ziel, mindestens 90 Prozent plus eine Aktie von Rhön zu erwerben, verfehlt zu haben - die Fresenius-Titel gewannen 0,75 Prozent. Den Deal hatte Konkurrent Asklepios auf der Zielgerade verhindert, indem er selbst im großen Stil Rhön-Aktien kaufte und nun mindestens 5,01 Prozent der Stimmrechte beherrscht. Ein neues Angebot seitens Fresenius innerhalb der nächsten zwölf Monate ist nur möglich mit einer Zustimmung der Finanzaufsicht sowie des Vorstands der Rhön-Klinikum.

Der EuroStoxx 50 schloss 1,21 Prozent höher bei 2292,08 Punkten. Die nationalen Indizes in Paris und London legten ebenfalls zu. In New York zeigte sich der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss etwas schwächer.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,33 (Freitag: 1,31) Prozent. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,49 Prozent auf 133,44 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,51 Prozent auf 141,62 Punkte. Der Euro sank indes auf 1,2586 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,2593 (Freitag: 1,2590) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7941 (0,7943) Euro gekostet.