Berlin (dpa) - In einer der bisher schwersten Krisen des Verfassungsschutzes räumt Präsident Heinz Fromm seinen Posten.

Wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass Verfassungsschützer Akten zur Neonazi-Mordserie vernichtet haben, bat der 63-Jährige am Montag um Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand zum 31. Juli. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kam der Bitte nach und würdigte die Verdienste Fromms während seiner zwölfjährigen Amtszeit. Der Verfassungsschutzpräsident selbst schwieg zunächst zu seinen genauen Beweggründen. Als Nachfolger ist der derzeitige Vizepräsident Alexander Eisvogel im Gespräch.

Friedrich erklärte, Fromm sei über das Fehlverhalten von Mitarbeitern seiner Behörde im Zusammenhang mit der Neonazi-Mordserie selbst überrascht und erschüttert. «Er ist wie ich zutiefst besorgt über den dadurch eingetretenen Vertrauensverlust in den Verfassungsschutz.» Die Vorgänge im Zusammenhang mit der Neonazi-Zelle «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) müssten restlos aufgeklärt werden.

In der vergangenen Woche war aufgedeckt worden, dass Verfassungsschützer im November Akten zur Neonazi-Mordserie geschreddert haben, nachdem die Zwickauer Terrorzelle bereits aufgeflogen war. Fromm soll am kommenden Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags unter anderem dazu aussagen.

Der langjährige Behördenchef wird nächste Woche 64 und wäre aus Altersgründen ohnehin im nächsten Jahr ausgeschieden. Im aktuellen «Spiegel» nannte er die Aktenvernichtung einen Vorgang, den es in seiner Amtszeit so noch nicht gegeben habe. «Hierdurch ist ein erheblicher Vertrauensverlust und eine gravierende Beschädigung des Ansehen des Amtes eingetreten», sagte Fromm dem Magazin.

Zur Nachfolge wollte sich das Innenministerium zunächst nicht äußern. Der neue Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz werde in einem «ordentlichen Verfahren» bestimmt, sagte Ministeriumssprecher Markus Beyer lediglich. Als einziger Kandidat ist der 46-jährige Eisvogel im Gespräch, der derzeit für die Aufklärung der Pannen im Zusammenhang mit den Neonazi-Morden zuständig ist. Der Jurist wird schon lange als potenzieller Nachfolger Fromms gehandelt.

Die Opposition im Bundestag wertete den Rückzug Fromms als konsequent. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, der Schritt sei nicht nur politisch anständig, sondern richtig und notwendig. Fromm übernehme damit die Verantwortung für ein nicht zu rechtfertigendes Verhalten seiner Mitarbeiter. «Dennoch bedauere ich, dass Heinz Fromm sein Amt so knapp vor dem Ruhestand auf diese Weise verlässt», sagte Steinmeier.

Nach Einschätzung der Grünen war die Aktenvernichtung nur einer von mehreren Fehlern des Verfassungsschutzes bei den Ermittlungen zur Neonazi-Mordserie. Der Rücktritt Fromms sei notwendig und unvermeidlich gewesen, sagte Fraktionschefin Renate Künast.

Die Linke forderte die Auflösung des Verfassungsschutzes. «Der Verfassungsschutz hat nicht nur Fehler gemacht, er ist der Fehler», erklärte die innenpolitische Fraktionssprecherin Ulla Jelpke.

Die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) wird für zehn Morde verantwortlich gemacht. Die Opfer waren neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin.

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