Tournai (dpa) - André Greipel hat bei der 99. Tour de France seinen ersten Etappenerfolg nur haarscharf verpasst. Auf dem 3. Tagesabschnitt unterlag der gebürtige Rostocker dem Weltmeister und Sprintkönig Mark Cavendish um Zentimeter.

Der britische Radprofi vom Team Sky feierte nach 207,5 Kilometern seinen 21. Etappensieg in Frankreich. Dritter wurde Matthew Goss aus Australien. Auf der engen Zielgeraden von Tournai hatte Greipels Team Lotto-Belisol den Spurt hervorragend vorbereitet, doch auf den letzten Zentimetern sprang Cavendish aus dem Windschatten dann doch noch an Greipel vorbei.

Der Thüringer Marcel Kittel konnte gesundheitlich angeschlagen nicht um den Sieg mitsprinten. In der Gesamtwertung verteidigte der Schweizer Fabian Cancellara (RadioShack-Nissan) sein Gelbes Trikot.

Nach dem Prolog und der 1. Etappe schlug erstmals die Stunde der Sprintspezialisten, die bis einschließlich Freitag den Tour-Alltag bestimmen dürften. Die Teams der schnellen Männer hatten auf der letzten Etappe in Belgien das Geschehen souverän unter Kontrolle. Vor allem die Mannschaften Lotto, Argos und GreenEdge hielten den Rückstand auf die Fluchtgruppe mit Anthony Roux, Christophe Kern und Michael Morkov im Rahmen. 14 Kilometer vor der Ziellinie wurde Roux als letzter der drei Ausreißer gestellt.

Eine erste Enttäuschung erlebte Jungprofi Kittel, der nach seinen starken Auftritten im Vorfeld als Mitfavorit gehandelt worden war. Allerdings litt der Tour-Debütant während des Rennens an großen Magenproblemen und konnte nicht in den Sprint eingreifen.

Für Tony Martin ging es auf dem ersten Tagesabschnitt nach seinem Kahnbeinbruch nur ums Durchkommen. Der Zeitfahr-Weltmeister, der am Sonntag gestürzt war und sich verletzt hatte, fuhr zumeist am Ende des Pelotons und kam in Tournai hinter dem Hauptfeld ins Ziel.

Mit einer Spezialschiene und im Ungewissen, ob er durchhalten könne, hatte der 27-Jährige in Visé die Etappe in Angriff genommen. Von nun an müsse er sich «durchbeißen», hatte er verkündet. An Attacken in der ersten, relativ flachen Tour-Woche sei nicht mehr zu denken, Martin will vor allem das Zeitfahren in Besancon erreichen.

Sein großes Saisonziel, eine Medaille im Einzelzeitfahren der Olympischen Spiele, geriet durch die Verletzung in Gefahr. Abhaken wollte er London aber «definitiv» noch nicht. «Jetzt muss ich Moral zeigen», betonte er. Dass er die 99. Tour am 22. Juli in Paris beenden wird, scheint aufgrund der Beeinträchtigung unwahrscheinlich.