Tokio/Kabul (dpa) - Die Internationale Gemeinschaft hat Afghanistan zivile Hilfe in Milliardenhöhe über das Ende des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 zugesagt.

Sie knüpft das aber an Bedingungen. In der Abschlusserklärung der Konferenz in Tokio hieß es am Sonntag, die Gebernationen wollten Afghanistan bis einschließlich 2015 mit mehr als 16 Milliarden Dollar unterstützen. Bis inklusive 2017 solle die Hilfe etwa auf dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts bleiben. Im Gegenzug sagte Afghanistan erneut einen verstärkten Kampf gegen Korruption und Drogen, bessere Regierungsführung, freie Wahlen in den Jahren 2014 und 2015 sowie Finanzreformen zu.

Das eintägige Treffen in Tokio war das zivile Gegenstück zu den Beschlüssen des Nato-Gipfels in Chicago im Mai. Dort hatten die Truppensteller zugesagt, die afghanischen Sicherheitskräfte nach 2014 mit 3,6 Milliarden Dollar jährlich zu unterstützen. Die Regierung in Kabul soll mindestens weitere 500 Millionen Dollar selbst aufbringen. Von 2024 muss an muss sie Einheiten selbst unterhalten.

Die Konferenz in Japan wurde von schwerer Gewalt in Afghanistan überschattet. Bei zwei Anschlägen und einem Gefecht wurden am Sonntag im Süden des Landes nach offiziellen Angaben 20 Taliban-Kämpfer, 14 Zivilisten und fünf Polizisten getötet. Zugleich tauchte ein Video im Internet auf, das nach Angaben aus den Behörden zeigt, wie Taliban-Kämpfer in der Nähe der Hauptstadt Kabul eine Frau wegen einer außerehelichen Beziehung hinrichteten. Die Taliban dementierten eine Beteiligung an der bereits mehrere Tage zurückliegenden Tat.

In der Abschlusserklärung in Tokio heißt es: «Die Fähigkeit der Internationalen Gemeinschaft, die Unterstützung für Afghanistan aufrecht zu erhalten, ist davon abhängig, dass die afghanische Regierung ihre Verpflichtungen als Teil dieser erneuerten Partnerschaft erfüllt.» Die Konferenzteilnehmer bekannten sich erneut zu einem Friedensprozess mit den Taliban, die der Gewalt abschwören, sich zur Verfassung bekennen und sich vom internationalen Terrorismus lossagen müssten. Die Internationale Gemeinschaft sagte Afghanistan zu, ihre Hilfe effektiver zu gestalten.

«Wir brauchen gute Regierungsführung in Afghanistan, wir brauchen bessere Regierungsführung», sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor den Delegierten aus rund 80 Geber- und Nachbarländern sowie von Internationalen Organisationen. Deutschland - nach den USA und Japan drittgrößter Geldgeber für Afghanistan - wird nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 weiter 430 Millionen Euro pro Jahr bis «zumindest 2016» zur Entwicklung des Landes aufbringen. Deutschland werde seine künftige zivile Unterstützung jedoch klar an Reformen in Afghanistan knüpfen, machte Westerwelle deutlich.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte einen verstärkten Kampf gegen die Korruption in seinem Land zu. Bei allen Fortschritten, die in den vergangenen Jahren erzielt worden seien, sei die Lage in seinem Land weiterhin «gefährdet» und die «Wirtschaft unterentwickelt», sagte Karsai. Korruption unterlaufe die Effizienz der internationalen Hilfen. Es bedürfe noch «viele Jahre» harter Arbeit, bevor Afghanistan Selbstständigkeit erreiche. Seine Regierung präsentierte der Staatengemeinschaft in Tokio ein Strategiepapier, in dem das Land eigene Entwicklungs- und Reformvorhaben zusichert.

In dem zweiteiligen Abschlussdokument von Tokio ist von einem «Paradigmenwechsel» in der Beziehung zwischen Afghanistan und der Internationalen Gemeinschaft die Rede. Fortschritte bei den gegenseitigen Verpflichtungen sollen regelmäßig überprüft werden. Alle zwei Jahre soll das auf einer Konferenz auf Ministerebene geschehen. Das erste solche Treffen soll nach der afghanischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 in Großbritannien stattfinden.