Kassel (dpa) - Occupy-Aktivisten haben sich eine neue Bühne für ihren Protest gesucht: die Kunstausstellung documenta. In der Nacht zum Samstag bauten die Kapitalismus-Kritiker vor dem Museum Fridericianum in Kassel eine Reihenhaus-Zeltstadt auf.

Sie besteht aus 28 einfachen weißen Zelten, auf die Aktivisten 20 Begriffe wie Gier, Hochmut, Geiz und Neid schrieben - nach Darstellung eines Occupy-Sprechers die «Grundübel der Zeit». Die künstlerische Leiterin der documenta, Carolyn Christov-Bakargiev, begrüßte die Aktion nach Angaben einer Sprecherin. Occupy ist eine weltweite Bewegung, die zentrale Plätze besetzt und den Kapitalismus kritisiert.

Die documenta-Leitung beriet zunächst, wie sie auf die neue Situation reagieren soll, kam dann aber zu dem Schluss, dass sie nichts unternehmen will. «Wir werden nicht veranlassen, dass die Zelte abgebaut werden», sagte die Sprecherin. Ein bereits seit vier Wochen bestehendes, kleines Occupy-Camp vor dem Museum wird seit Beginn der documenta ebenfalls geduldet.

In Frankfurt campieren Occupy-Aktivisten seit dem Herbst vor der Europäischen Zentralbank. Die documenta gilt als die weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Bis zum 16. September werden dort mindestens 750 000 Besucher erwartet.

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