München (SID) - Die bayrische Justizministerin Beate Merk setzt im Kampf gegen Doping auf eine Verschärfung der bestehende Gesetze und will auch den Besitz von Arzneimitteln oder Wirkstoffen zu Dopingzwecken unter Strafe stellen. "Sonst kommen wir an die dopenden Sportler selbst nicht heran. Außerdem brauchen wird eine Kronzeugenregelung, um die Mauer des Schweigens gerade im Spitzensport zu durchbrechen", sagte die CSU-Politikerin bei der Vorstellung eines neuen Gesetzentwurfes in München. Darüber hinaus will Merk den Straftatbestand des Sportbetrugs einführen: "Das bleibt das eigentliche Ziel. Die Staatsanwälte brauchen ein scharfes Schwert und müssen auch den Sportler ins Visier nehmen können."

Bisher unterliegen in Deutschland dopende Sportler nur der Sportgerichtsbarkeit. Bei der Verschärfung des Arzneimittelgesetzes 2007 war der Straftatbestand Sportbetrug nicht mit in das Gesetz aufgenommen worden. Merk betonte jedoch, dass der Gesetzentwurf nur ein Diskussionspapier sei, zudem gebe es "deutliche Widerstände aus dem Sport".

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) wies zudem darauf hin, dass eine gesetzliche Neuregelung auch im Interesse der Sportler sei. "Die Athleten fordern ein viel stärkeres Eingreifen des Staates und eine Bestrafung der dopenden Sportler. Auch um die Glaubwürdigkeit des Sports zu erhalten", sagte Prokop

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft Erfurt das Ermittlungsverfahren gegen den Sportmedizinier Andreas Franke eingestellt, da sie trotz eines "objektiven Verstoßes" gegen die Anti-Doping-Regeln und einer "verbotene Methode" keinen "hinreichenden Tatverdacht" gesehen habe.

Franke war vorgeworfen worfen, am Olympiastützpunkt Erfurt 30 Sportlern Blut entnommen, es mit UV-Licht behandelt und anschließend dem Körper der Sportler zu Dopingzwecken wieder zugeführt zu haben. Gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens hat der DLV mittlerweile Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.

In der vergangenen Woche hatte auch Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, die Frage nach einem neuen Anti-Doping-Gesetz aufgeworfen. "Ich habe es mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass auch das reformierte Arzneimittelgesetz nicht zum Tragen gekommen ist. Anscheinend reicht das, was im Gesetz steht, nicht aus", hatte die SPD-Politikerin gesagt.