Hamburg (dpa) - Der Haas-Hype in Hamburg hält an. Beim Heimspiel in seiner Geburtsstadt warf Rückkehrer Tommy Haas überraschend Titelverteidiger Gilles Simon mit 4:6, 6:3, 6:4 aus dem Turnier und zog erstmals seit 13 Jahren wieder ins Viertelfinale am Rothenbaum ein.

Dank der Unterstützung der rund 3500 begeisterten Zuschauer kämpfte sich der 34-Jährige am Mittwoch nach verlorenem ersten Satz mit hochklassigem Sandplatz-Tennis zurück, so dass er nach 2:05 Stunden seinen ersten Matchball verwandeln konnte.

«Hier habe ich als Kind meine ersten Spiele gesehen, hier habe ich mich entschieden, Tennisprofi zu werden - jetzt hier zwei Matches gewonnen zu haben, ist etwas ganz Besonderes», sagte der sichtlich bewegte Haas. In der Runde der letzten Acht trifft der Halbfinalist von 1997 am Freitag auf seinen Davis-Cup-Kollegen Florian Mayer oder den Niederländer Robin Haase, die anschließend den überdachten Centre Court betraten. «Beide sind ausgezeichnete Spieler», urteilte Haas.

Im vierten Vergleich mit Simon, den er zuvor schon zweimal bezwungen hatte, erwischte Haas einen katastrophalen Start. Mit vier leichten Fehlern gab der 34-Jährige sein erstes Aufschlagspiel zu Null ab - ein Rückstand, dem er im ersten Satz vergeblich hinterherrannte. Denn Haas unterliefen vor allem mit der Vorhand zu viele unnötige Patzer, um den anfangs konstant und souverän agierenden Weltranglisten-Zwölften aus dem Konzept zu bringen.

Erst zu Beginn des zweiten Durchgangs fand der selbsternannte «Underdog» Haas, der zum zehnten Mal dem Sandplatz-Turnier an der Hallerstraße seine Aufwartung machte, besser in die Partie. Nun war es Simon, der einem frühen Aufschlagverlust hinterherlaufen musste - anders als Haas im ersten Satz gelang dem Franzosen aber postwendend das Rebreak und der Ausgleich zum 2:2. Doch dies nützte Simon nichts.

Denn angetrieben vom frenetischen Publikum, das jeden direkten Punktgewinn von Haas lautstark feierte, steigerte sich der Tennis-Oldie immer mehr, so dass er nach 79 Minuten den Satzausgleich feiern durfte. Im finalen Durchgang breakte der nun furios aufspielende 34-Jährige seinen zunehmend hadernden Rivalen zum 5:4 - der Rest war Formsache für den nervenstarken Routinier.

Nach dem Matchball reckte Haas seinen Schläger in die Höhe, ehe ihn die Zuschauer mit einer La-Ola-Welle feierten. «Vielen Dank für die Unterstützung», rief Haas den Fans zu. «Ich fühle mich ausgezeichnet.»

Zuletzt hatte Haas 1999 das Viertelfinale am Rothenbaum erreicht, zwei Jahre zuvor war sogar erst im Semifinale Endstation gewesen. Turnierdirektor Michael Stich, der sich 1993 als bislang letzter Deutscher in die Siegerliste eingetragen hat, hätte sicher nichts dagegen, wenn ihm in diesem Jahr Haas als Champion nachfolgen würde.

Am Donnerstag haben Deutschlands Topspieler Philipp Kohlschreiber und der «Hamburger Jung» Julian Reister die Chance, ebenfalls das Viertelfinal-Ticket zu buchen. Der Augsburger Kohlschreiber gilt gegen den Italiener Fabio Fognini als Favorit, während der Weltranglisten-483. Reister gegen den Franzosen Jeremy Chardy unbeschwert aufspielen kann.