Hamburg (dpa) - Nach einer weiteren Tennis-Gala darf Publikumsliebling Tommy Haas beim Heimspiel in Hamburg vom ganz großen Coup träumen. Mit 6:1, 6:4 siegte Haas im Prestigeduell gegen seinen Davis-Cup-Kollegen Florian Mayer.

Erstmals erreichte der 34-Jährige seit seinem Rothenbaum-Debüt vor 15 Jahren wieder das Halbfinale bei der Traditionsveranstaltung. Nun will der gebürtige Hamburger dem Turnierdirektor Michael Stich folgen, der 1993 als bislang letzter deutscher Tennisprofi die traditionsreiche ATP-Veranstaltung gewonnen hatte. «Das ist das ganz große Ziel, keine Frage», betonte Haas am Freitag.

Sein klar unterlegener Rivale, in der Weltrangliste 25 Plätze besser postiert, war hingegen restlos bedient: «Das war peinlich, das ist mir bewusst. Das war unterirdisch», sagte Mayer. Während der Bayreuther frustriert die Koffer packen muss, bekommt es Haas am Samstag in der Vorschlussrunde mit dem Kroaten Marin Cilic oder dem Spanier Albert Ramos zu tun - beides lösbare Aufgaben.

Haas diktierte im ersten Satz gegen Mayer fast nach Belieben das Geschehen. Vor der diesjährigen Rekordkulisse von rund 5500 Zuschauern auf dem überdachten Centre Court agierte der Rothenbaum-Rückkehrer mit positiver Körpersprache und aggressivem Grundlinientennis. Die beiden Breaks zum schnellen Satzgewinn nach gerade einmal einer halben Stunde waren Beleg seiner Überlegenheit. «Ich bin selber noch sprachlos, wie gut und konstant ich heute gespielt habe», sagte Haas ins Stadionmikrofon.

Mayer kam hingegen nur sehr langsam auf Betriebstemperatur. Der 23. der Weltrangliste leistete sich zu viele leichte Fehler, so dass früh abzusehen war, dass Haas auch den vierten Vergleich der beiden für sich entscheiden würde. Zumal der 13-fache ATP-Turniersieger auch auf die Unterstützung der Mehrheit des Publikums bauen konnte. Dies sei «absolut okay», hatte Mayer schon vor der Partie gesagt.

Im zweiten Durchgang biss sich der Rothenbaum-Halbfinalist von 2010 dann aber in die Partie. Mayer spielte nun variabler, streute immer wieder erfolgreiche Stopps ein und gewann seine ersten vier Aufschlagspiele. Ein Break wollte ihm trotz dreier Chancen aber nicht gelingen, während Haas beim Stand von 4:4 seine Möglichkeiten nutzte und sich nach 1:11 Stunden von den Fans und seiner Verlobten Sara Foster feiern ließ. «Wer weiß, vielleicht ist es das letzte Mal, dass ich hier bin. Deshalb genieße ich es umso mehr», so Haas.

Die Chance als zweiter Deutscher ins Halbfinale einzuziehen hat hingegen Philipp Kohlschreiber verpasst. Der Tennisprofi aus Augsburg verlor gegen den an Nummer eins gesetzten Spanier Nicolas Almagro mit 5:7, 5:7. Für Kohlschreiber war es dennoch das beste Abschneiden am Rothenbaum seiner Karriere. Almagro trifft am Samstag im Semifinale auf den Argentinier Juan Monaco, der durch das 6:3, 7:5 über den Franzosen Jeremy Chardy die Runde der besten Vier erreichte.

Spieltableau