London (SID) - "Nicht von dieser Welt", "Wahnsinn", "Das sprengt einem den Kopf weg": Wer bei den Proben schon ein paar Szenen der eigentlich streng geheimen Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gesehen hat, wirkt wie berauscht von der rund 35 Millionen Euro teuren Show. Oscar-Preisträger Danny Boyle, Regisseur von Filmen wie "Slumdog Millionär", "Trainspotting" oder "The Beach", soll mit seiner Inszenierung der ganz große Wurf gelungen sein.

15.000 Statisten, darunter 1650 Kinder aus 25 Londoner Schulen, gehüllt in 25.000 Kostüme, werden am Freitagabend (ab 21.30 Uhr/ZDF) unter dem Motto "Insel der Wunder" die Londoner Geschichte nacherzählen und das Olympiastadion in eine typisch britische Landschaft mit Kühen, Schafen und künstlichen Wolken verwandeln. Es folgt ein Szenario mit den englischen Stahlarbeitern des 19. Jahrhunderts, an dessen Ende fünf brennende olympische Ringe über dem Stadion schweben sollen. Die Macher wollen eine emotionale Geschichte erlebbar machen, sehr britisch, mit dem typisch verschrobenem Humor.

So viel ist bekannt - obwohl es eigentlich geheim bleiben sollte. Doch einige der 40.000 Zuschauer einer Probe am Montagabend wollten oder mussten ihre Begeisterung entgegen der eindringlichen Bitte von Boyle via Facebook und Twitter der Welt mitteilen. "Ich habe noch nie etwas in dieser Größenordnung gemacht", sagte der 55-Jährige - natürlich ohne ins Detail zu gehen: "Wir wollen die Kreativität der Briten feiern in einer Eröffnungszeremonie, die hoffentlich unberechenbar und einfallsreich wird wie die Briten selbst."

Und so kann über das große Finale nur weiter spekuliert werden. Wird Harry Potter seinen Zauberstab schwingen, um den bösen Lord Voldemort aus den Köpfen der Kinder zu verjagen? Werden 30 Mary-Poppins-Figuren mit geöffnetem Regenschirm aus dem Himmel regnen? Wird sich James-Bond-Darsteller und Hollywood-Star Daniel Craig im Geheimdienst Ihrer Majestät in einen fliegenden Hubschrauber hangeln? Rund vier Milliarden TV-Zuschauer dürfen sich auf einige Überraschungen freuen.

Sicher ist hingegen, dass Ex-Beatle Paul McCartney einen großen Teil der musikalischen Unterhaltung übernimmt. Und dass Königin Elizabeth II die Spiele eröffnen wird. Begleitet wird sie unter anderem von ihren Enkeln Harry und William sowie dessen Ehefrau Kate. Zudem werden rund 120 Staatsoberhäupter, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, und Tausende Stars und Sternchen erwartet. Zu den geladenen Gästen gehören auch Angelina Jolie und Brad Pitt.

Unterdessen sind wohl zwei heiße Kandidaten für die absolute Hauptrolle des Abends aus dem Rennen. Fußball-Star David Beckham und Ruderlegende Sir Steven Redgrave werden das olympische Feuer aller Wahrscheinlichkeit nach nicht entzünden. Beckham sagte, er sei zwar Teil dieses "großen Ereignisses für unser Land" und fühle sich auch "sehr geehrt", aber er übernehme im großen Ganzen nur "eine kleine Rolle". Und Redgrave, zuletzt Favorit in den Wettbüros, erklärte ein bisschen verstimmt, er sei gar nicht gefragt worden. Mittlerweile nehmen einige britische Buchmacher Wetten auf den letzten aller Fackelträger nicht mehr an, weil einfach schon zu viel durchgesickert ist.