London (SID) - Auch zwei Tage vor dem Olympia-Auftakt in London stehen noch immer nicht die Ergebnisse der letzten Dopingtests von Athen 2004 fest. Dies bekannte am Mittwoch bei der 124. Session des Internationalen Olympischen Komitees IOC-Anti-Doping-Chef Arne Ljungqvist. Die B-Proben der fünf Nachtests seien noch nicht analysiert, auch wenn die achtjährige Aufbewahrungszeit in Kürze ablaufe. Nach London sollen alle 3667 Athener Proben vernichtet werden.

Auf Druck der Medien hatte sich das IOC erst im April dieses Jahres mit möglichen Nachkontrollen auf damals noch nicht auffindbare verbotene Substanzen beschäftigt. Ljungqvist erklärte, hätte man dies deutlich früher getan, wäre die Chance auf positive Ergebnisse nicht so hoch gewesen, weil die heutigen Analysemethoden noch gefehlt hätten. Selbstkritisch räumte er jedoch ein: "Sicher, etwas früher hätten wir es tun können."

Im April hatte sich Ljungqvist in der ARD-Sportschau noch etwas anders geäußert. Auf die Frage, warum man die Proben denn acht Jahre lagere und nicht die Chance zur nachträglichen Untersuchung nutze, meinte der Schwede: " "Warum hätten wir das tun sollen? Auf was sollten wir denn nachtesten? Die Methoden damals waren gut genug. Wir haben keine Informationen, dass damals irgendwas genommen wurde, das wir nicht testen konnten."

David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hatte mit Blick auf neue Nachweisverfahren beim Blutdopingmittel EPO, dem Wachstumshormon HGH und anabolen Steroiden jedoch gemeint: "Wir haben seit 2004 viel Geld in die Optimierung der Tests gesteckt. Wenn man die besseren Tests auf die Proben von 2004 anwendet, dann ist doch klar, dass man wahrscheinlich positive Fälle findet."

Nachtests der Proben von Winter-Olympia 2006 (Turin) auf das Epo-Folgemittel Cera waren ohne Erfolg geblieben. Doch sieben positive Befunde der Proben von Peking 2008 brachten Erkenntnisse. Nachträglich disqualifiziert wurden Stefan Schumacher (Nürtingen/13. Platz) sowie die Peking-Medaillengewinner Davide Rebellin (Italien/ebenfalls Radsport) und Rashid Ramzi (Bahrain/Leichtathletik) bestraft, der 1500-m-Gold verlor.