Frankfurt/Main (dpa) - Klare Worte von EZB-Chef Mario Draghi haben den Dax deutlich ins Plus gehievt. Starke US-Auftragseingänge und gute Daten vom US-Arbeitsmarkt gaben zusätzlich Schützenhilfe, während schwache deutsche Unternehmenszahlen in den Hintergrund rückten.

Mit einem Aufschlag von 2,75 Prozent auf 6582,96 Punkte ging der Leitindex schließlich über die Ziellinie. Zwischenzeitlich hatte er sogar um knapp 3 Prozent zulegen können. Der MDax stieg um 2,36 Prozent auf 10 722,69 Punkte, und der TecDax gewann 2,16 Prozent auf 772,57 Punkte.

Draghi hatte weitere Unterstützung für die Krisenstaaten signalisiert. «Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten», hatte der EZB-Chef gesagt. Wichtiger noch als die demonstrative Entschlossenheit werteten Händler Aussagen, die auf eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms hindeuten könnten. Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, sagte dazu: «Wir wollen eins nie vergessen: Ein freizügiges Händchen in puncto US-Geldpolitik hat Amerika in der Vergangenheit die schönsten Kurszuwächse beschert und dies wird in der Eurozone mit einer notgedrungen immer liberaler werdenden EZB nicht anders sein.» Die EZB mit Draghi werde wohl noch mehr Anleihekäufe durchführen, um den Kollaps der Eurozone zu verhindern, so Halver.

Schwache Zahlen und unsichere Geschäftsaussichten ließen die Siemens-Aktien um 1,19 Prozent abrutschen. Der Elektrokonzern war unerwartet deutlich von der zunehmenden Kaufzurückhaltung seiner Kunden erfasst worden und versah das Gewinnziel mit einem Fragezeichen. Bei MAN sorgte die Bilanzvorlage für noch deutlichere Kursabschläge von 5,74 Prozent. Damit landeten die Titel des Lkw-Herstellers auf dem letzten Platz im Dax. Vor allem der Gewinn habe die Erwartungen deutlich verfehlt, hieß es am Markt.

Die Vorzüge von VW verloren zum Börsenschluss nur noch 0,07 Prozent. Umsatz und operativer Gewinn waren im ersten Halbjahr etwas besser ausgefallen als von Experten prognostiziert. Allerdings hatte sich die operative Entwicklung angesichts einer verhalteneren Entwicklung in Europa im zweiten Quartal abgeschwächt. Für die BASF-Papiere ging es indes um 2,85 Prozent hoch. Der Chemiekonzern blieb trotz eines Gewinnrückgangs und zunehmender Konjunkturrisiken bei seinen Jahreszielen. Die Zahlen der Deutschen Börse fielen laut Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt den Erwartungen entsprechend aus. Dass die Unternehmensziele leicht nach unten revidiert worden seien, habe der Markt bereits erwartet. Am Ende gewannen die Aktien des Börsenbetreibers 2,64 Prozent.

Der EuroStoxx 50 sprang um 4,26 Prozent auf 2251,05 Punkte nach oben. Auch in Paris und London schlossen die Börsen mit einem kräftigen Plus. Am US-Aktienmarkt rückte der Dow Jones zum europäischen Börsenschluss ebenfalls vor.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere von 1,04 Prozent am Vortag auf 1,01 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 135,0 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,48 Prozent auf 144,02 Punkte. Der Euro-Kurs stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Nachmittag den Referenzkurs auf 1,2260 (Mittwoch: 1,2134) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8157 (0,8241) Euro.