Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag seine vier Tage andauernde Gewinnserie beendet. Der Leitindex ging mit einem hauchdünnen Minus von 0,03 Prozent bei 6772,26 Punkten aus dem Handel, nachdem er zuvor schon um bis zu 0,9 Prozent gestiegen war.

Börsianer begründeten das Schwinden der Aufschläge mit einsetzenden Gewinnmitnahmen, nachdem das Kursbarometer seit dem Zwischentief am Donnerstag in der Spitze um mehr als 8 Prozent zugelegt hatte. Am Morgen war er zunächst erstmals seit Anfang Mai wieder über 6800 Punkte gestiegen.

Die übrigen Indizes schlossen etwas tiefer im Minus: Belastet von deutlichen Kursverlusten bei einigen Einzelwerten verlor der MDax 1,00 Prozent auf 10 826,26 Punkte, und der TecDax gab am Ende um 0,32 Prozent auf 777,69 Punkte nach.

«Die Annahmen und Spekulationen über weitere Maßnahmen der EZB zur Rettung der Eurozone haben teilweise sehr groteske Züge angenommen», sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Faitrade. Eine Banklizenz für den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM sei dabei wohl noch die gröbste Mutmaßung gewesen. Die Spekulation erhielt aber einen Dämpfer, als sich das Bundesfinanzministerium am Dienstag erneut gegen diese Idee aussprach. «Gewinnmitnahmen waren mehr als absehbar», betonte Lipkow.

Voll in Fahrt war am Dienstag auch wieder die Berichtssaison mit zahlreichen Unternehmen aus der ersten und zweiten Reihe. Im Dax stiegen die Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon als unangefochtener Spitzenreiter um 6,69 Prozent auf 5,929 Euro. Zwischenzeitlich waren sie erstmals seit Ende Juni wieder über die Marke von 6,00 Euro gestiegen. Dirk Schlamp von der DZ Bank lobte über seinen Erwartungen liegende Umsätze sowie die operative Marge.

Nach der Zahlenvorlage sehr fest präsentierten sich auch die Papiere von Metro mit plus 3,01 Prozent und von Bayer mit plus 1,24 Prozent. Beim Handelskonzern war es nicht zu der von Analysten befürchteten Prognosesenkung gekommen, während der Pharma- und Chemiekonzern nach einem operativ starken zweiten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr erhöht hatte. Am Vormittag waren die Bayer-Aktien auf den höchsten Stand seit Januar 2008 gestiegen.

Den Aktien der Deutschen Bank hat der Zwischenbericht einer seit Anfang Juni laufenden Überprüfung der Konzernstrategie knapp mit 0,12 Prozent ins Plus verholfen. Demnach hat sich beim deutschen Branchenprimus ein Einsparungspotenzial von rund 3 Milliarden Euro ergeben. Teil dessen soll der Abbau von 1900 Stellen sein, mit Fokus auf dem Investmentbanking - der Sparte, die am Morgen noch als Schwachstelle der vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal angesehen worden war.

Während die Finanzwerte in ganz Europa von schwachen UBS-Zahlen in Mitleidenschaft gezogen wurden, tendierten auch die Titel der Commerzbank freundlich. Positive Reaktionen auf die überraschend am Vorabend veröffentlichten Zahlen und den zugleich vermeldeten Verkauf einer Tochter in der Ukraine sorgten für einen Aufschlag von 0,40 Prozent. Schwäche zeigten dagegen HeidelbergCement mit minus 1,89 Prozent. Den Quartalsbericht des Baustoffherstellers nutzten Anleger für Gewinnmitnahmen.

Im MDax rutschten die Titel der SGL Group mit minus 4,57 Prozent auf den vorletzten Platz. Der Kohlenstoffspezialist hatte wegen schwacher Nachfrage für Karbonfasern seinen Jahresausblick gesenkt. Tui-Titel gewannen dagegen nach dem angekündigten Führungswechsel an der MDax-Spitze 3,22 Prozent. Der langjährige Vorstandschef Michael Frenzel gibt im nächsten Jahr sein Amt ab - ein Jahr früher als geplant.

Der EuroStoxx 50 schloss 0,62 Prozent tiefer bei 2325,72 Punkten und auch die Leitindizes in London und Paris verbuchten Verluste. In New York tendierte der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa dagegen nahezu unverändert.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,10 Prozent am Vortag auf 1,09 Prozent. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,06 Prozent auf 134,55 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,72 Prozent auf 144,55 Punkte zu. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Nachmittag den Referenzkurs auf 1,2284 (Montag: 1,2246) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8141 (0,8166) Euro.