Düsseldorf (dpa) - Mit Preissenkungen, veränderten Sortimenten und zusätzlichem Service will Metro-Chef Olaf Koch die Geschäfte ankurbeln. Während der Umsatz schon steigt, sollen Kostensenkungen das Ergebnis weiter verbessern.

Trotz der sich zunehmend eintrübenden Konsumstimmung rechnet der größte deutsche Handelskonzern in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum. Um die Kunden zu locken, nahm der Konzern im ersten Halbjahr Preissenkungen im Umfang von 120 Millionen Euro vor. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr das bereinigte operative Ergebnis stabil halten. «Ich bin, was die Erreichbarkeit unserer Prognose angeht, absolut überzeugt», sagte Metro-Chef Olaf Koch bei der Halbjahresbilanz am Dienstag.

Die Börse reagierte auf die Ankündigung erfreut, die Metro-Stammaktie kletterte am Dienstag zeitweise um 4,6 Prozent auf 22,75 Euro. Einige Beobachter hatten eine Gewinnwarnung befürchtet. Dazu hatte Koch selbst beigetragen, als er im einem Interview vor zwei Wochen sagte, die Euro-Krise verderbe den Deutschen die Kauflust. Zwar sei die Konsumstimmung in Deutschland stabil, investiert werde aber langfristig, beispielsweise in Möbel. Händler, die Artikel des täglichen Bedarfs anbieten, müssten sich etwas einfallen lassen.

Die Metro setzt auf einen Mix aus Preissenkungen, speziellen Kundenangeboten wie einem Lieferservice für Gewerbetreibende und günstige Eigenmarken für Verbraucher. Außerdem bauen die Metro- Töchter ihr Internet-Angebot aus. Gleichzeitig reduziert der Konzern die Kosten. So sollen bis 2015 weltweit 900 Stellen in der IT, Logistik und der Immobilienverwaltung wegfallen. Weitere rund 280 Jobs stehen bei der Metro-Großhandelstochter auf der Kippe. Insgesamt beschäftigt der Düsseldorfer Konzern etwa 280 000 Mitarbeiter. Dass all diese Maßnahmen bereits beginnen zu greifen, belege das zweite Quartal des laufenden Jahres, sagte Koch in einer Telefonkonferenz.

Von April bis Juni legte der Umsatz trotz Schuldenkrise und des kürzeren Ostergeschäfts um 1,8 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro zu. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um 2,5 Prozent auf 314 Millionen Euro. Nach einem schwachen ersten Quartal sieht Koch eine «klare Trendverbesserung». Im ersten Halbjahr 2012 stand unter dem Strich allerdings ein Verlust von 110 Millionen Euro nach 54 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Zu den Preissenkungen bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie im Metro-Großhandel kamen Wertberichtigungen durch die Aufgabe des Großhandelsgeschäfts in Großbritannien.

Für mehr Umsatz sorgten im zweiten Quartal die Großhandelsmärkte sowie Media-Saturn, die von der Fußball-EM und der Umstellung auf digitales Satelliten-Fernsehen profitierten. Beide Töchter wiesen aber einen Ergebnisrückgang auf. Media-Saturn hatte wegen der Preissenkungen, der Kosten für den Ausbau des Online-Geschäfts und Vorsorge für Marktmodernisierungen einen operativen Rekordverlust von 59 Millionen Euro in den Büchern. Auch die Eröffnung neuer Märkte kostete Geld. Die kleineren Metro-Töchter Real und Kaufhof verbesserten hingegen ihr operatives Ergebnis. Metro hat relativ spät begonnen, sein stationäres Geschäft mit einem Internetangebot zu verzahnen, und dadurch Kunden beispielsweise an Amazon verloren.